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Hintergrund: Heiner Geißlers Kompromissvorschlag

Stuttgart 21-Schlichter Heiner Geißler im Stuttgarter Rathaus.Großansicht

Stuttgart (dpa) - Schlichter Heiner Geißler hat in der Debatte um das Bahnprojekt Stuttgart 21 überraschend einen Kompromissvorschlag vorlegt. Er hat ihn gemeinsam mit dem Schweizer Verkehrsberatungsbüro sma ausgearbeitet. dpa veröffentlicht ihn in Auszügen:

Der Auslöser:

«In Gesprächen mit der SMA entwickelte sich der Plan, einen Bahnhof zu planen, bei dem die genannten Risiken minimiert und dennoch wichtige Ziele der Projektträger, aber auch der Projektgegner, realisierbar sind. SMA hat durch die Arbeiten am Stresstest einen tiefen Einblick in das zukünftige Betriebsgeschehen bekommen, wie es bei der Planung von neuen Vorhaben nur selten der Fall ist. Aus diesem Wissen heraus entstand eine kombinierte Lösung für den Hauptbahnhof Stuttgart, die ich sie bitte, in den nächsten Wochen unvoreingenommen zu prüfen.»

Die Idee:

«Die Grundidee einer durchgehenden Schnellfahrstrecke Mannheim- Stuttgart-Ulm mit einem tiefliegenden Durchgangsbahnhof in Stuttgart an heutiger Lage bleibt bestehen. Dagegen sollen ein etwas verkleinerter Kopfbahnhof mit seinen Zufahrten und die Gäubahn auf dem Stadtboden von Stuttgart weiterhin in Betrieb bleiben. Als Folge davon können die geplanten unterirdischen Zufahrten von/nach Bad Cannstatt sowie Ober- und Untertürkheim entfallen. Für die so zugeteilten Funktionen sind nur noch vier Bahnsteiggleise notwendig.»

Der Plan:

«Der viergleisige Tiefbahnhof kommt unter die heutigen Kopfbahnhofgleise zu liegen. Im Gebäude sind Sichtbeziehungen, architektonisch ähnlich wie beim Berliner Hauptbahnhof, denkbar. Der Südflügel könnte bei dieser Konstruktion möglicherweise bestehen bleiben. Es werden weniger Parkflächen beansprucht. Das heutige Bahnhofsgebäude behält seine Funktionen. Die Bahnsteige im Tiefbahnhof könnten breiter ausgestaltet werden.»

Die Vorteile:

«Eisenbahnbetrieblich besticht die Kombinationslösung durch eine weitgehende Trennung des in Stuttgart endenden Nahverkehrs von schnellen, durchgehenden Zügen. Damit eröffnen sich ganz neue Perspektiven für die Gestaltung des Nahverkehrsangebots. Es zeichnet sich ab, dass man einen gegenüber heute weitgehend unveränderten und auch ausgeweiteten Nahverkehr mit den Vorteilen des Hochgeschwindigkeitsfernverkehrs kombinieren kann.»

Der Zeitplan:

«Das vorgeschlagene Konzept erfordert unweigerlich eine neue Planungs-, Diskussions- und Bewilligungsphase. Deren Zeitbedarf ist noch nicht abschätzbar. Zahlreiche Bestandteile bestehender Planungen können unverändert, andere mit Modifikationen übernommen werden. Als nächstes sind Bauplanungen, Bauverfahren und die damit ausgelösten Investitionskosten neu zu berechnen. Dazu gehören insbesondere die Grunderneuerungen des verbleibenden Kopfbahnhofteils, damit dieser seine Funktionen weitere 50 bis 100 Jahre versehen kann. Parallel zur Berechnung der Baukosten ist auch die Kostenaufteilung unter den Projektpartnern neu zu regeln, insbesondere auch die Verrechnung bisheriger Aufwände und Finanztransfers. Ideal wäre ein Moratorium in der Höhe der bisherigen Zusagen, solange die neuen Zahlen noch nicht zur Verfügung stehen.»

Die Bürgerbeteiligung:

«Es geht darum, Befürworter und Kritiker von den Vorzügen eines Kompromisses zu überzeugen. Je breiter die dabei erreichte demokratische Legitimierung, umso störungsfreier die anschließende Bauphase.»

Verkehr / Bahn / Stuttgart 21
29.07.2011 · 22:33 Uhr
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