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Hintergrund: Guttenberg und seine Affären

Berlin (dpa) - Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat seit seinem Amtsantritt im Herbst 2009 mit insgesamt fünf Affären zu kämpfen gehabt. Hier ein Überblick:

- Die Kundus-Affäre um das Bombardement zweier Tanklaster in Afghanistan mit vielen Toten erbt Guttenberg von seinem Vorgänger Franz Josef Jung (CDU). Im Zuge der Aufarbeitung entlässt er zwei seiner wichtigsten Berater, Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und Staatssekretär Peter Wichert, weil er sich von ihnen unzureichend informiert fühlt. Zu der Affäre wird später ein Untersuchungsausschuss eingesetzt, der seine Arbeit bis heute nicht abgeschlossen hat.

- Die Postaffäre um geöffnete Briefe aus Feldlagern in Afghanistan wird vom Wehrbeauftragten Hellmuth Königshaus ins Rollen gebracht. Es geht um rund drei Dutzend Sendungen, die geöffnet worden oder gar nicht angekommen sein sollen. Bei einer ersten Untersuchung der Bundeswehr können keine Mängel auf dem Postweg festgestellt werden. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt leitet aber ein offizielles Ermittlungsverfahren ein: Bei 30 bis 40 Briefen könne es in der Feldpost-Leitstelle Darmstadt der Bundeswehr zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein.

- Ausgangspunkt für die «Gorch Fock»-Affäre ist der Tod einer Kadettin auf dem Segelschulschiff im November. Anschließend kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Offiziersanwärtern und der Stammbesatzung. Berichte über chaotische Zustände auf dem Schiff machen die Runde, Vorwürfe der Drangsalierung und sexuellen Belästigung stehen im Raum. Die Marine hat eine Untersuchungskommission eingesetzt, die in den nächsten Wochen ihre Ergebnisse vorlegen wird. Guttenberg hat bereits selbst mit einigen Offiziersanwärtern gesprochen. Noch vor der Rückkehr der «Gorch Fock» in den Heimathafen Kiel Ende April oder Anfang Mai will er auf das Schiff und mit der Stammbesatzung sprechen. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt in dem Todesfall.

- Mitte Dezember stirbt ein Bundeswehrsoldat in Afghanistan durch einen Schuss aus der Waffe eines Kameraden. Nur einen Tag später trifft Guttenberg zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem Truppenbesuch am Hindukusch ein. Er schildert die Sachlage vor Journalisten, das Parlament wird aber wochenlang im Unklaren gelassen.

- Die Plagiatsaffäre wird von einem Bremer Juraprofessor ausgelöst, der in Guttenbergs Doktorbeit acht Stellen aus Werken anderer Autoren findet, die vom CSU-Politiker nicht als Zitate gekennzeichnet wurden. In den folgenden Tagen werden von «Plagiatsjägern» immer mehr solcher Stellen entdeckt. Guttenberg bezeichnet in einer ersten Reaktion den Vorwurf als «abstrus», seine Doktorarbeit sei ein Plagiat. Gleichzeitig schließt er aber nicht aus, dass er an einigen Stellen falsch zitiert haben könnte. Die Universität Bayreuth hat dem Minister eine zweiwöchige Frist für eine Stellungnahme gesetzt.

Verteidigung / Wissenschaft / Guttenberg
18.02.2011 · 23:13 Uhr
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