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Hintergrund: Gewinner und Verlierer im Autokrimi

Wolfsburg/Stuttgart (dpa) - Es dürfte eine der heftigsten und längsten Übernahmeschlachten in der deutschen Wirtschaftsgeschichte gewesen sein.

Intrigen, Drohgebärden, scharfe verbale Angriffe und massive Beschimpfungen - nichts von dem ließen die Kontrahenten aus in ihrem monatelangen Kampf um die Macht bei VW und Porsche. Nach den Aufsichtsratssitzungen bei Porsche und VW ist der Autokrimi nun entschieden. Europas größter Autokonzern VW und die kleine Sportwagenschmiede Porsche sollen zu einem neuen Autoimperium verschmelzen - VW übernimmt Porsche.

DIE GEWINNER:

FERDINAND PIËCH - Für den gewieften Strippenzieher und Chefaufseher bei VW erfüllt sich ein Stück mehr von seiner großen Vision: Ein großes, alle Mobilitätssparten umfassendes Autoreich, das weltweit an der Spitze steht. Am Anfang - als Porsche im September 2005 den geplanten Einstieg bei VW verkündete - soll der VW-Patriarch angeblich eingeweiht gewesen sein. Doch dann drehte der den Spieß um. Seit der Schlamassel bekannt wurde, in dem Porsche steckt, arbeitete Piëch am Kauf des Sportwagengeschäfts durch VW. Bei einer Autovorstellung auf Sardinien im Mai erhöhte er den Druck auf Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und machte deutlich, dass er die Führungsrolle in einem vereinten Großkonzern bei VW-Boss Martin Winterkorn sieht.

CHRISTIAN WULFF - Der niedersächsische CDU-Ministerpräsident hat im Schulterschluss mit Piëch die Verschmelzungspläne gegen massive Widerstände aus Stuttgart durchgefochten. Dabei konnte Wulff von einer Position der Stärke aus agieren, weil es ihm gelungen war, gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel das VW-Gesetz zu retten. Es sichert dem Land Niedersachsen mit seinem 20 Prozent-Anteil ein Vetorecht bei allen wichtigen Entscheidungen bei VW sichert. Ohne Niedersachsen läuft nichts mehr bei VW - und auch Wiedeking, der mit allen Mitteln das VW-Gesetz bekämpfte, biss auf Granit.

BERND OSTERLOH - Den einflussreichen VW-Betriebsratschef verärgerte Wiedeking schon von Beginn an: Bei VW dürfe es keine «heiligen Kühe» geben, ließ er kurz nach dem Einstieg in Wolfsburg wissen - ein Angriff auf die Konsens-Kultur bei VW, mit einer starken Mitbestimmung, Haustarif und einer traditionell mächtigen IG Metall. Doch der Provokateur aus Stuttgart zog letzten Ende den Kürzeren. Die Allianz von Arbeiterschaft und Milliardär erwies sich wieder einmal als belastbar. Osterloh zog mit Piëch an einem Strang, um das Unternehmen vor einer Übernahme durch Porsche zu schützen.

DIE VERLIERER:

WENDELIN WIEDEKING - Seine Niederlage hat der jetzt abgetretene Porsche-Chef nach Einschätzung von Experten zum Teil auch sich selbst zuzuschreiben. Von Anfang an habe er viel guten Willen bei der Belegschaft in Wolfsburg und bei der Landesregierung in Niedersachsen verspielt. Ganz ohne Not habe er schon in der ersten Zeit viel Aggressivität in die Debatte um die Übernahme von VW durch Porsche gebracht. Auch dafür erhalte er jetzt die Quittung, heißt es in Branchenkreisen. Ein taktischer Fehler war, dass er fest von der Abschaffung des VW-Gesetzes durch die EU ausging und Wulff unterschätzt hat.

WOLFGANG PORSCHE - Der Porsche-Chefaufseher hat lange seine schützende Hand über Wiedeking gehalten, zum Schluss aber musste er nachgeben, um den hoch verschuldeten Konzern zu retten. In Branchenkreisen hieß es, er sei zuletzt möglicherweise auch unter den Druck der restlichen Familienmitglieder geraten, die zum Teil in ganz unterschiedlichen Berufen unterwegs sind und denen es vor allem um die Sanierung des Unternehmen gehe.

GÜNTHER OETTINGER - Er kämpfte für die Unabhängigkeit von Porsche, um den prestigeträchtigen Namen samt Steuereinnahmen im Lande zu halten. Doch er unterlag. Im Laufe der Zeit verstärkte sich der Eindruck immer mehr, dass Oettinger Wulff kein Paroli bieten kann. Die Zuffenhausener fühlten sich von ihrem Ministerpräsidenten im Stich gelassen - Oettinger habe sich nicht genug engagiert, um das VW-Gesetz abzuschaffen, beklagten sie.

Auto / Porsche / VW
23.07.2009 · 23:03 Uhr
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