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Hintergrund: Frühwarnsysteme

Frankfurt/Main (dpa) - Die immer wiederkehrenden Probleme mit Manipulationen von Spielen haben die Fußball-Verbände dazu veranlasst, sogenannte Frühwarnsysteme zu installieren. Damit sollen Auffälligkeiten beim Einsatzverhalten im Wettgeschäft festgestellt werden.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) arbeiten seit dem Skandal um den Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer und manipulierte Fußballspiele 2005 mit dem Unternehmen Sportradar zusammen.

Sportradar arbeitet nach eigenen Angaben international «mit einem ausgeklügelten System, an dem mehrere hundert Mitarbeiter beteiligt sind». Unter anderem werden die Quotenveränderungen der Wettanbieter in bestimmten Zeit-Intervallen untersucht. Verändern sich diese auffällig, werden automatisch Warnhinweise versendet. Allerdings hat sich der Wettmarkt in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Immer häufiger setzen die Zocker ihr Geld in Live-Wetten ein. Diese beginnen erst, wenn die Partien bereits laufen. Warnhinweise sind in solchen Fällen schwierig.

DFB-Präsident Theo Zwanziger kündigte an, nach den neuen Vorfällen prüfen zu wollen, ob das vor vier Jahren installierte Frühwarnsystem auf dem Wettmarkt Mängel hat. «Ich will jetzt noch nicht sagen: 'Es hat versagt.' Ich glaube das wäre zu viel. Aber wir müssen gucken, warum wir nicht gewarnt worden sind», sagte Zwanziger.

Der Weltfußballverband FIFA hat im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2006 das «FIFA Early Warning System» ins Leben gerufen, um ebenfalls ungewöhnliche Wettvorgänge in allen Wettbewerben zu beobachten. Nach FIFA-Angaben haben die Spezialisten für Sportwetten Kontakte zu 400 Anbietern geknüpft, die sich vertraglich dazu verpflichtet haben, unregelmäßige Wettmuster zu melden. Nach FIFA-Schätzungen werden jährlich mehr als 100 Milliarden Euro auf Fußballwetten gesetzt.

Der deutsche Experte für Sportwetten bei der FIFA, Wolfgang Feldner, sieht dennoch wenig Chancen, das Problem komplett auszumerzen. «So gut die Warnsysteme sind, den Schwarzmarkt werden sie schwer überprüfen können. Von Wettunternehmen, die es offiziell gar nicht gibt, lassen sich schwierig Informationen bekommen», sagte Feldner der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

Auch beim Europäischen Fußballverband UEFA nimmt man das Problem sehr ernst. Zu Beginn dieses Jahres hat die UEFA das Frühwarnsystem gegen Wettbetrug (BFDS) eingeführt. Mit dieser aufwendigen Datenbankanwendung werden nicht nur alle Spiele in UEFA-Wettbewerben beobachtet, sondern auch sämtliche Partien in den beiden höchsten Ligen sowie den Pokalwettbewerben der Mitgliedsländer. Insgesamt werden so rund 29 000 Spiele pro Saison auf möglichen Wettbetrug hin kontrolliert. Von der BFDS wird im Verdachtsfall ein Bericht zum fraglichen Spiel erstellt, dies ist der erste Schritt für folgende Untersuchungen. Laut UEFA laufen neun von zehn Manipulationsversuche über Asien. Auch die FIFA sieht im Wettmarkt in Fernost das Hauptproblem.

Der staatliche Wettanbieter Oddset arbeitet mit dem Oddset- Kontroll-System (OKS), das alle rund 25 000 Annahmestellen in Deutschland überwacht. Spiele und Kombinationen mit auffällig vielen oder hohen Einsätzen können bei Bedarf sofort gesperrt werden. Anders als in Asien ist der Einsatz bei Oddset-Wetten begrenzt. Maximal können 500 Euro pro Wette gesetzt werden, als maximaler Gewinn werden 50 000 Euro pro Einzelwette ausgeschüttet. Seit Anfang 2008 kann zudem nur noch mit einer Kundenkarte gewettet werden.

Fußball
23.11.2009 · 11:04 Uhr
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