News
 

Hintergrund: Finanzlexikon zum G20-Gipfel

Toronto (dpa) - Beim Gipfel der 20 wichtigsten Volkswirtschaften (G20) wollen die Staats- und Regierungschefs eine Zwischenbilanz der Finanzmarktreformen ziehen. Die Nachrichtenagentur dpa listet die wichtigsten Begriffe auf:

BANKENABGABE: Europas Idee einer Bankenabgabe ist noch vage. Es geht um eine Mischung aus einer Steuer für Finanzinstitute, die vor allem auf die Verbindlichkeiten abzielen soll, und einer Steuer auf Finanztransaktionen an den Märkten («Tobin-Steuer»).

DERIVATE: Der Derivatemarkt hat ein globales, nominales Volumen von rund 638 Billionen Euro. Derivate (Wertpapiere wie Optionen, Swaps oder Futures) bündeln und sichern Risiken, werden aber auch für Spekulationen genutzt und gelten als Antreiber der Finanzkrise.

EIGENKAPITAL: Nur einen geringen Teil des finanziellen Volumens ihrer Finanzgeschäfte müssen Banken tatsächlich als Eigenkapital in ihren Büchern als Sicherheit vorhalten. Die Vorgaben sind im Abkommen des Baseler Bankenausschusses festgelegt und werden nochmals verschärft.

EXIT-STRATEGIE: Bezeichnet den Ausstieg aus den schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen. Europa will möglichst rasch mit der Konsolidierung beginnen. Die USA warnen davor, die Konjunkturerholung durch harte und zu rasche Sparkurse abzuwürgen.

EURO-ZONE: Der Währungsraum der 16 EU-Länder, die den Euro benutzen. Wird derzeit von einer beispiellosen «Schulden-Krise» erschüttert, weil Länder wie Griechenland sich nicht an die Regeln gegen hohe Staatsschulden gehalten haben. Ein 750-Milliarden-Euro-Schutzschirm rettete Athen vor der Pleite.

HEDGE-FONDS: Diese Spekulanten gehen extreme Risiken ein, um besonders hohe Renditen zu erwirtschaften. «Hedge» bedeutet absichern»; der etwas irreführende Begriff kommt von den zur Absicherung von Kapitaleinsätzen dienenden Derivaten, die auch Hedge-Fonds nutzen. Die Fondsmanager investieren aber viele Arten hochriskanter Geschäfte, vom Firmenkauf über Rohstoffspekulationen bis hin zu Wetten auf Währungskurse. Schätzungen zufolge verwaltet die Branche um die 800 Milliarden Euro. Zwar ist umstritten, wie stark Hedge-Fonds Mitauslöser der weltweiten Finanzkrise waren. Sie sollen aber jetzt erstmals strengeren Regeln unterworfen werden.

RATING-AGENTUREN: Sie bewerten die Bonität von Unternehmen oder Staaten, beurteilen also die Wahrscheinlichkeit, dass diese ihre Schulden begleichen können. Ihnen wird Versagen in der Finanzkrise vorgeworfen, weil sie US-Hypotheken gute Noten gegeben haben, die später zu Ramschpapieren wurden, oder auch der späteren Pleitebank Lehman Brothers. Die EU stört sich außerdem an den Herabstufungen Griechenlands und Spaniens kurz nach deren Ankündigungen umfassender Sparpakete, sowie am US-dominierten Oligopol der drei Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch.

UNGLEICHGEWICHTE: Export-orientierten Ländern wie China und Deutschland, deren Bürger außerdem viel sparen, wird vorgeworfen, auf Kosten anderer Länder hohe Überschüsse zu erwirtschaften. Sie stehen unter Druck etwa der USA, ihre Nachfrage anzukurbeln, wollen aber ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht riskieren.

YUAN: Chinas Regierung hält ihre Währung, den Yuan, künstlich niedrig, um der heimischen Wirtschaft Exportvorteile zu verschaffen - chinesische Waren werden dadurch billiger. Wichtige Handelspartner wie die USA und Deutschland sehen darin unfaire Wettbewerbsvorteile. Pünktlich zum Weltwirtschaftsgipfel hat Peking mehr Flexibilität angekündigt - ob der Yuan wirklich zulegen wird, muss sich zeigen.

G8 / G20 / Gipfel
26.06.2010 · 22:06 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

Weitere Themen