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Hintergrund: Entschädigungen nach Umweltkatastrophen

Berlin (dpa) - Nach Milliarden-Kosten durch die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko wird der Ölkonzern BP Privatleuten und Firmen 7,8 Milliarden US-Dollar Entschädigung zahlen. Auch andere Katastrophen kosteten Konzerne riesige Summen:

November 2011: Bei einem Öl-Unfall vor der Küste Brasiliens laufen bis zu 480 000 Liter Öl ins Meer. Die brasilianische Regierung belegt den US-Ölmulti Chevron mit Strafen über zusammen umgerechnet 24,6 Millionen Euro. Ein Staatsanwalt kündigt zudem eine Klage in Höhe von 8,2 Milliarden Euro an. Bisher wurde die Klage aber nicht angenommen.

März 2011: Nach einem Erdbeben und einer Flutwelle gerät das japanische Atomkraftwerk Fukushima außer Kontrolle. Es gibt Explosionen, Radioaktivität wird freigesetzt. Im November bewilligt Japans Regierung umgerechnet 8,4 Milliarden Euro Unterstützung für den Betreiber Tepco, um Entschädigungen zu zahlen. Experten schätzen, dass Tepco bis 2013 insgesamt mehr als 40 Milliarden Euro zahlen muss.

Februar 2011: Chevron soll nach dem Willen eines Gerichts in Ecuador Schadensersatz in Höhe von sechs Milliarden Euro für Umweltschäden im Amazonasgebiet zahlen. Seit Jahren sickert Öl aus einer alten Förderstätte und verseucht die Region. Die Kläger hatten 27 Milliarden Dollar gefordert. Chevron legt Berufung ein. Der Prozess hatte 1993 zunächst gegen den US-Konzern Texaco vor einem Gericht in New York begonnen. Später übernahm Chevron Texaco.

März 1989: In Alaska läuft der Supertanker «Exxon Valdez» auf ein Riff und schlägt leck. Fast 2000 Kilometer Küste werden verunreinigt. Der Rechtsstreit dauert bis 2009: Der Konzern ExxonMobil muss rund 4,4 Milliarden US-Dollar (heute 3,4 Milliarden Euro) für Geldbußen, Säuberungen, Schadensersatz und Zinsen zahlen.

Dezember 1984: Die Giftgaskatastrophe im indischen Bhopal kostet schätzungsweise bis zu 20 000 Menschen das Leben. Fast 20 Jahre später ordnet Indiens Verfassungsgericht die Freigabe von damals umgerechnet 262 Millionen Euro Entschädigung an. Nach einer außergerichtlichen Einigung hatte der verantwortliche US-Konzern Union Carbide bereits 1989 umgerechnet 360 Millionen Euro bereitgestellt.

März 1978: Der Großtanker «Amoco Cadiz» läuft vor der bretonischen Küste auf Grund und zerbricht. Als Eigner muss die Amoco Corporation nach 14-jährigem Rechtsstreit umgerechnet rund 174 Millionen Euro zahlen. Die Ölpest hatte 360 Kilometer Küste verdreckt.

Juli 1976: Die bisher folgenschwerste Chemiekatastrophe in Europa verseucht das italienische Städtchen Seveso. Viele Tiere sterben, 220 000 Menschen werden ärztlich untersucht. Der Rechtsstreit dauert fast 20 Jahre. Der Konzern Hoffmann La Roche zahlt rund 300 Millionen Schweizer Franken (heute etwa 218 Millionen Euro) Entschädigung an die Opfer und zur Beseitigung der Schäden.

April 2010: Die von BP-Konzern geleaste Bohrinsel «Deepwater Horizon» im Golf von Mexiko explodiert. Elf Arbeiter kommen ums Leben. Die Explosion löst die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA aus. 4,9 Millionen Barrel (769 Millionen Liter) Öl treten aus und verschmutzen das Meer und angrenzende Küsten. Auf Druck der US-Regierung richtet BP einen mit 20 Milliarden Dollar (rund 14 Milliarden Euro) ausgestatteten Fonds ein, aus dem Opfer der Katastrophe entschädigt werden sollen. BP verklagt Vertragspartner Halliburton und Bohrinselbetreiber Transocean auf Schadenersatz, die sich mit Gegenklagen wehren.

Öl
03.03.2012 · 20:33 Uhr
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