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Hintergrund: Enthüllungen über Politiker und Staaten

Außenminister und Vizekanzler Guido Westerwelle bei einer Pressekonferenz in Berlin.

Berlin (dpa) - In den auf der Internetplattform Wikileaks veröffentlichten vertraulichen US-Diplomatendepeschen finden sich häufig wenig schmeichelhafte Urteile über Politiker und Staaten. Eine Auswahl aus den veröffentlichten Originaldokumenten:

DEUTSCHLAND: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei bekannt für ihre Zurückhaltung bei aggressiven politischen Debatten, heißt es. Sie halte sich lieber im Hintergrund, werde aber unstrittig als Führerin Deutschlands und Europas gesehen.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) wird als ein Freund bezeichnet, der aber nicht zögern werde, die USA zu kritisieren, wenn besondere Interessen Deutschland auf dem Spiel stünden. «Er überwand nie seine skeptische Einstellung zur Art, wie die Vereinigten Staaten in der Welt ihre Macht ausüben». Nach Einschätzung von US-Diplomaten wird er direkt herausgefordert aggressiv und äußert sich abfällig über die Meinungen anderer. Der neue benannte Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) wird in einer Depesche als «eine sonderbare Wahl» bewertet. «Für Niebel ist nichts heilig.»

RUSSLAND: Präsident Dmitri Medwedew wird als zögerlich und blass geschildert. Ministerpräsident Wladimir Putin sei der wahre Machthaber in Moskau. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi werde zunehmend zu Putins Sprachrohr in Europa. ISRAEL: Verteidigungsminister Ehud Barak forderte nach US-Quellen im Juni 2009 einen Militärschlag auf Irans Atomanlagen in einem Zeitfenster von sechs bis 18 Monaten.

Mossad-Geheimdienstchef Meir Dagan sieht laut US-Dossier keine Hoffnung für die Palästinenser, nur Instabilität in Syrien und im Libanon sowie wachsenden Islamismus in der Türkei. Dagan: «Katar will es allen Recht machen: Syrien, Iran, Hamas.» Die USA sollten ihre Militär-Basen dort schließen.

ÄGYPTEN: Über Präsident Husni Mubarak findet sich das Zitat: «Niemand wird einen Iran mit Atomwaffen zulassen. Wir haben alle große Angst davor.» Die US-Regierung seien nicht gut informiert. Von Mubarak wird die Einschätzung weitergegeben, dass der Iran die Kontrolle über den Irak übernimmt, falls die Amerikaner dort abziehen würden. «(Die Iraker) werden einen Diktator bekommen, aber einen guten. Vergesst Demokratie, die Iraker sind von Natur aus hart im nehmen.»

KATAR: Ministerpräsident Hamad bin Dschassim Al-Thani sagte demnach über den Iran: «Sie belügen uns und wir belügen sie.»

ABU DHABI: «Ein baldiger konventioneller Krieg gegen den Iran ist eindeutig besser als die langfristigen Konsequenzen eines Irans mit Atomwaffen», wird Staatsoberhaupt Scheich Mohammed Bin Sajid Al-Nahjan von US-Diplomaten zitiert.

AFGHANISTAN: Präsident Hamid Karsai wird als eine von Paranoia und Verschwörungsängsten getriebene schwache Persönlichkeit geschildert. Sein Bruder Ahmed Wali Karsai sei weithin als korrupt und Drogendealer bekannt.

Konflikte / Internet / USA
29.11.2010 · 23:02 Uhr
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