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Hintergrund: EHEC - eine lange Geschichte

Berlin (dpa) - Schon Jahre vor der durch Deutschland rollenden EHEC-Welle sorgten sich Experten vor dem gefährlichen Keim. Vor zwölf Jahren noch gab es Kritik, die Politik nehme das Problem nicht ernst genug. Seither hat die öffentlich geförderte Forschung Fahrt aufgenommen.

Der ARD-Journalist Klaus Weidmann schrieb 1999 in einem Bericht über eine EHEC-Recherche: «Behörden in Japan und in den USA behandeln EHEC als das, was es ist: als eine gefährliche Seuche, die jederzeit ausbrechen kann.» Der deutschen Gesundheitspolitik warf er damals hingegen unter Berufung auf Recherchen bei Wissenschaftlern und Forschungsinstituten «verheerende Verharmlosung und Gleichgültigkeit» gegenüber dem Keim vor.

Bereits vor Jahren gab es mehrere Ausbreitungen von EHEC in Deutschland: 1988 in Bayern, 1994 im Münsterland, 1995/96 in Bayern und 1996/97 in Niedersachsen. Unter Federführung des Robert Koch-Instituts sei EHEC bereits 1993 in einer Studie als in Deutschland weit verbreitet eingestuft worden, so Weidmann. Forschungsinstitute klagten damals laut dem Journalisten über mangelnde Finanzmittel für die EHEC-Forschung.

Die Situation hat sich jedoch geändert: Deutschland führte 2001 die Meldepflicht für EHEC-Erkrankungen ein. 2006 stellte die Bundesregierung zur Erforschung der von Tieren auf Menschen übertragbaren Krankheiten (Zoonosen) 60 Millionen Euro bereit. 2009 wurde eine Forschungsplattform für Zoonosen erstellt.

Einzelne Projekte förderte das Forschungsressort von 2007 bis 2010 mit 25 Millionen, bis 2013 mit weiteren 28 Millionen Euro. Enthalten sind Mittel für den Verbund Lebensmittelbedingte zoonotische Infektionen (FBI-Zoo - Food Borne Zoonotic Infections of Humans). In diesem Verbund befassen sich drei Vorhaben mit EHEC - geleitet von Prof. Lothar H. Wieler in Berlin, Prof. Herbert Schmidt in Hohenheim und Prof. Dag Harmsen sowie Prof. Helge Karch in Münster.

Karch sagte in einem Interview: «Es gab eine Zeit, wo man seltenen Erkrankungen nicht so viel Beachtung geschenkt hat. Dies hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert.» An der Universität Münster wurde zudem das Konsiliarlabor für die schwere EHEC-Komplikation Hämolytisch-Urämisches Syndrom (HUS) gegründet, das 42 EHEC-Stämme aus aller Welt gesammelt und Wissen darüber zusammengetragen hat.

Gesundheit / Infektionen
02.06.2011 · 22:04 Uhr
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