News
 

Hintergrund: Die Optionen in der Griechenland-Krise

Berlin (dpa) - Seit Monaten schwirren alle möglichen Vorschläge zur Rettung Griechenlands vor einer Staatspleite herum. Wie wahrscheinlich sind die verschiedenen Szenarien?

MEHR HILFEN: Sehr wahrscheinlich. Dabei werden mehrere Möglichkeiten diskutiert. EU und Internationaler Währungsfonds (IWF) setzen das bisherige Rettungspaket von 110 Milliarden Euro - also Bürgschaften und zinsgünstige Darlehen - fort, obwohl Griechenland wahrscheinlich die Sparauflagen nur unzureichend erfüllt hat. Um die Märkte zu beruhigen und Griechenland mehr Luft zur Stabilisierung zu geben, könnte das erste Rettungspaket aber auch von einem weiteren ergänzt oder abgelöst werden, wobei Griechenland dafür umfassenden Privatisierungen und weiteren Sparmaßnahmen zuzustimmen hätte. Dabei könnten auch die privaten Gläubiger sprich die Banken mit ins Boot geholt werden.

Vor allem für die Politiker ist dies die angenehmste Lösung: Sie können ihren Steuerzahlern dann weiterhin versichern, dass Griechenland vielleicht alle Schulden auch zurückzahlt und das Geld noch nicht verloren ist.

WEICHE UMSCHULDUNG: Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hatte auch diese Lösung nach früheren Angaben nicht ausgeschlossen. Es würden dann die Rückzahlungsfristen für griechische Staatsanleihen und die Hilfskredite verlängert oder weniger Zinsen als geplant ausgeschüttet. Es sind auch noch andere, komplexe Transaktionen - zum Beispiel der Umtausch von Staatsanleihen in sicherere Papiere, aber mit einem Abschlag - denkbar, die eine «offizielle» Umschuldung umschiffen würden. Die Idee dahinter: Für die privaten Gläubiger des Landes, darunter Banken im In- und Ausland, wäre diese Lösung am ehesten verkraftbar.

HARTE UMSCHULDUNG: Kurzfristig kaum wahrscheinlich, doch viele Ökonomen halten dies auf längere Sicht für unvermeidbar. Die Gläubiger Griechenlands müssten dann im Rahmen eines Schuldenabkommens auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten - im Fachjargon «Haircut» (Haarschnitt) genannt - und die Verluste in ihre Bücher nehmen. Das Land wäre einen Teil seiner Schulden dauerhaft los. Kritiker befürchten jedoch, dass Banken zusammenbrechen würden mit fatalen Folgen für die gesamte Wirtschaft, zudem seien Ansteckungseffekte für andere hoch verschuldete Länder wie Portugal zu befürchten.

EURO-AUSSTIEG: Praktisch ausgeschlossen, da politisch derzeit nicht gewollt und logistisch nur schwer umzusetzen. Eine abgewertete eigene Währung könnte griechischen Unternehmen zwar helfen, allerdings würden wohl bei der Ankündigung einer Rückkehr zur Drachme sofort die Banken gestürmt. Vorstellbar wäre der Euro-Ausstieg in Verbindung mit einer harten Umschuldung als radikalste - und vermutlich letzte - Lösung, allerdings mit unabsehbaren Folgen.

EU / Finanzen / Griechenland
23.06.2011 · 22:15 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen