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Hintergrund: Die Machtkonstellationen

Wolfsburg/Stuttgart (dpa) - Am Anfang lief alles ganz friedlich bei Volkswagen und Porsche. Mit offenen Armen wurde die kleine feine Sportwagenschmiede bei VW empfangen, als sie im September 2005 verkündete, sie wolle sich an dem sehr viel größeren Wolfsburger Autobauer beteiligen.

Porsche wurde als «weißer Ritter» gefeiert, denn VW hatte außer dem Land Niedersachsen keinen Großaktionär zum Schutz vor einer feindlichen Übernahme. Alle begrüßten das Projekt. Doch als Porsche nach der ganzen Macht bei Europas größtem Autobauer griff, gingen die Hauptakteure zum Angriff über. Die wichtigsten Konstellationen der Gewinner und Verlierer:

FERDINAND PIËCH UND WENDELIN WIEDEKING:

Der mächtige VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Piëch einerseits und der bisherige Porsche-Chef Wiedeking andererseits waren die entscheidenden Kontrahenten. Dabei konnte sich Wiedeking lange Zeit auf den Rückhalt von Porsche-Chefaufseher Wolfgang Porsche verlassen. Doch nachdem klar wurde, dass er sich bei der Übernahme von VW massiv verzockt hatte, konnte auch Porsche Wiedeking zum Schluss nicht mehr retten. Der gewiefte Taktiker Piëch verbuchte den Sieg. Die Führungsrolle in dem neuen Großkonzern sieht Piëch bei seinem Vertrauten, VW-Chef Martin Winterkorn.

FERDINAND PIËCH und CHRISTIAN WULFF:

Die beiden waren nicht von Anfang an Freunde. Im Gegenteil: Am Anfang gehörte der niedersächsische CDU-Ministerpräsident Wulff zu Piëchs schärfsten Widersachern - er kritisierte vor allem dessen Doppelrolle als VW-Chefaufseher und Porsche-Miteigentümer. Zuletzt aber einte sie das gemeinsame Ziel, den Wolfsburger Konzern vor einer Übernahme durch Porsche zu schützen.

CHRISTIAN WULFF und GÜNTHER OETTINGER:

Mit seinem Parteifreund und Regierungschef in Baden-Württemberg Günther Oettinger war Wulff dagegen auf Konfliktkurs. Er kenne kein Tier, «bei dem der Schwanz mit dem Hund wedelt», ließ er in Richtung Stuttgart verlauten, als Porsche VW übernehmen wollte. Oettinger kämpfte für die Unabhängigkeit von Porsche, um den prestigeträchtigen Namen samt Steuereinnahmen im Lande zu halten - auch er nun ein Verlierer.

WENDELIN WIEDEKING UND CHRISTIAN WULFF:

Das Duell von Wiedeking und dem Regierungschef in Hannover drehte sich vor allem um das VW-Gesetz, das dem Land Niedersachsen mit 20 Prozent Anteil an dem Autobauer ein Vetorecht bei allen wichtigen Entscheidungen sichert. Wiedeking setzte darauf, dass die EU das Gesetz kippt und Porsche über einen Beherrschungsvertrag auch an die Barreserven von VW gelangen würde. Doch das Kalkül schlug fehl. Im Schulterschluss mit Bundeskanzlerin Angela Merkel konnte Wulff das VW-Gesetz retten. Das trug dazu bei, Wiedeking in Bedrängnis zu bringen die Zwangslage zu bringen. Porsche häufte gut 10 Milliarden Euro Schulden an, VW hat gut ebenso hohe liquide Mittel.

WOLFGANG PORSCHE UND FERDINAND PIËCH:

Die Cousins, beide Enkel des Autopioniers Ferdinand Porsche, geben sich nach außen hin meist in bestem Einvernehmen. Tatsächlich sollen sie oft zerstritten sein. Wolfgang Porsche hielt lange an Wiedeking fest, aber zum Schluss musste er dem Übernahmeangebot von VW nachgeben, um den hochverschuldeten Sportwagenbauer zu retten.

BERND OSTERLOH und WENDELIN WIEDEKING:

Den einflussreichen VW-Betriebsratschef verärgerte Wiedeking schon von Beginn an: Bei VW dürfe es keine «heiligen Kühe» geben, ließ er kurz nach dem Einstieg in Wolfsburg wissen - ein Angriff auf die Konsens-Kultur bei VW, mit einer starken Mitbestimmung, Haustarif und einer traditionell mächtigen IG Metall. Es folgte ein erbitterter Streit um die Mitbestimmung in der Porsche SE, der VW- Betriebsrat sah sich in einer Vereinbarung dazu ausgebootet. Nun aber gehört Osterloh zu den Gewinnern.

BERND OSTERLOH und UWE HÜCK:

Während Osterloh gemeinsam mit Piëch und Wulff für die Eingliederung der Porsche AG in den Wolfsburger Konzern kämpfte, setzte sich der Porsche-Betriebsratschef massiv für die Eigenständigkeit des Sportwagenbauers ein. Zuletzt drohte er sogar mit Streik.

Auto / Porsche / VW
23.07.2009 · 23:03 Uhr
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