News
 

Hintergrund: Die Knackpunkte des Wulff-Besuchs

Berlin (dpa) - Bei der Türkei-Reise von Bundespräsident Christian Wulff stehen zwei Knackpunkte ganz oben auf der Tagesordnung.

Integration türkischstämmiger Migranten:

In Deutschland leben rund drei Millionen Menschen türkischer Herkunft, mehr als 700 000 von ihnen haben einen deutschen Pass. Der türkische Präsident Abdullah Gül räumte ein, in der Vergangenheit seien bei der Integration viele Fehler gemacht worden - von türkischer wie von deutscher Seite. Er forderte seine Landsleute in der Bundesrepublik auf, Teil der Gesellschaft zu werden. Wichtige Probleme bei der Integration sind Sprache und Bildung. So sind Kinder mit türkischen Wurzeln seltener auf Gymnasien und überproportional häufig auf Hauptschulen. Migranten verlassen die Schule etwa doppelt so oft ohne Abschluss wie Schüler ohne Migrationshintergrund. Auch auf dem Arbeitsmarkt haben es Menschen mit türkischen Wurzeln schwerer. Im Alter von 25 bis 65 Jahren sind sie etwa doppelt so häufig erwerbslos wie jene ohne ausländische Herkunft.

Der 2007 verabschiedete Nationale Integrationsplan bündelt die Initiativen von Bund, Ländern, Kommunen, Wirtschaft und Verbänden zur verbesserten Eingliederung der Migranten. Berücksichtigt wurden die Bereiche Bildung, Sprache, Erwerbsleben, Wissenschaft, Kultur, Medien und Sport. Der Bund baute die Integrationskurse für spezielle Zielgruppen von 600 auf 900 Stunden aus. Für Kinder unter drei Jahren sollen mehr Betreuungsplätze zur Verfügung stehen, junge Migranten leichter einen Ausbildungsplatz erhalten.

Ankaras Weg in die Europäische Union:

Die Türkei will der EU beitreten. Die Weichen für den Kandidatenstatus wurden 1999 unter deutscher EU-Präsidentschaft gestellt. Seit 2005 laufen schwierige Beitrittsverhandlungen. Ende 2006 beschlossen die EU-Außenminister, die Verhandlungen in acht von insgesamt 35 Kapiteln zu blockieren, bis die Türkei das sogenannte Ankara-Protokoll von 2005 auch auf Zypern anwendet. Im Kern geht es dabei um die Anerkennung des EU-Mitglieds Zypern durch die Türkei.

2007 legte Ankara ein Arbeitsprogramm vor, das das Land bis 2014 fit für den Beitritt machen soll. Das Programm zielt darauf, den Kandidaten unabhängig vom weiteren Verlauf der Verhandlungen in allen Bereichen - von Gesundheit und Verbraucherschutz über Verkehr bis zu Energie und Umwelt - EU-Standards anzugleichen. Deutschland und andere EU-Staaten sehen den Weg der Türkei nach Europa als «Prozess mit offenem Ende». CDU und CSU sind gegen eine Vollmitgliedschaft und streben eine «privilegierte Partnerschaft» an. Diese wird wiederum von Ankara als Alternative zur EU-Mitgliedschaft abgelehnt.

Auswärtiges Amt über die Türkei

International / Bundespräsident / Türkei / Deutschland
18.10.2010 · 22:19 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
29.05.2017(Heute)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen