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Hintergrund: Die Hamburger Schulreform

Hamburg (dpa) - Der Volksentscheid zu den sechsjährigen Primarschulen betrifft nur einen kleinen, wenn auch wichtigen Teil der Hamburger Schulreform. Insgesamt geht der bildungspolitische Strukturwandel in der Hansestadt deutlich weiter.

Grundidee ist die Überzeugung aller Parteien in der Bürgerschaft, dass jedes Kind die gleichen Chancen haben muss - egal aus welcher sozialen Schicht es kommt. Die Nachrichtenagentur dpa dokumentiert die Eckpunkte.

DIE SCHULSTRUKTUR:

Vom Schuljahr 2010/2011 an soll es nur noch drei allgemeine Schulformen geben: sechsjährige Primarschulen, Stadtteilschulen und Gymnasien. In den Primarschulen erhalten die Kinder auch durch Lehrer aus weiterführenden Schulen das Rüstzeug. Im Anschluss entscheiden die Eltern, ob ihr Kind auf eine Stadtteilschule oder auf ein sechsstufiges Gymnasium wechselt. Beide bieten alle Abschlüsse bis zum Abitur an, wobei die Hochschulreife an den Gymnasien nach insgesamt 12 Schuljahren, an den Stadtteilschulen nach 13 Jahren erreicht wird.

DIE KLASSENGRÖSSEN:

Hamburg hat die maximale Größe der Schulklassen gesetzlich festgelegt. Danach dürfen in den Primarschulen höchstens 23 Kinder in einer Klasse miteinander lernen, in sozial benachteiligten Stadtteilen sind es 19 Schüler. An den Stadtteilschulen soll die Größe laut Gesetz 25 Schüler nicht überschreiten, an Gymnasien soll eine Klasse nicht mehr als 28 Schüler haben. In der Oberstufe soll die mittlere Kursgröße in beiden Schulformen bei 22 Schülern sein.

DER UNTERRICHT:

Die Kinder sollen selbstständiger lernen und weniger frontal unterrichtet werden. So können nach Überzeugung der Schulbehörde stärkere Schüler mehr gefordert und die schwächeren Kinder besser unterstützt werden. Unter den Stichworten «neue Lernkultur» und «individualisiertes Lernen» sollen mit jedem Schüler Lernziele festgelegt und überprüft werden. Das Sitzenbleiben wird abgeschafft.

DIE LEHRER:

Bis zum Ende der Sekundarstufe I (10. Klasse) hat zwar jeder Schüler grundsätzlich einen Klassenlehrer - gleichwohl sollen die Lehrkräfte verstärkt in Teams arbeiten, sowohl in den einzelnen Klassen als auch in einem kompletten Jahrgang. Um dies bewältigen zu können und auf die neue Schulstruktur zu reagieren, sollen 970 neue Lehrerstellen geschaffen werden. 557 sind für die kleineren Klassen und 97 für die Ganztagsschulen vorgesehen. Ende 2009 gab es an Hamburgs allgemeinbildenden Schulen insgesamt 10 762 Lehrerstellen.

DIE KOSTEN:

Hamburg gibt in diesem Jahr für alle Schulen und Lehrer laut Haushaltsplan insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro aus. Für die Schulreform allein sind es 22 Millionen Euro. Insgesamt summieren sich die Reformkosten bis einschließlich 2016 auf rund 427 Millionen Euro.

Schulen / Reformen / Hamburg
18.07.2010 · 13:31 Uhr
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