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Hintergrund: Die Forderungen deutscher Banken

Frankfurt/Main (dpa) - In der Euro-Schuldenkrise sollen die Banken sich besser für Belastungen durch wackelnde Krisenstaaten wappnen. Ein Schuldenschnitt - wie er für Griechenland diskutiert wird - soll die großen Banken nicht umwerfen.

Die Forderungen der deutschen Banken an die fünf hoch verschuldeten Euro-Krisenstaaten:

DEUTSCHE BANK: Die größte deutsche Bank hat ihr Nettokreditengagement gegenüber Griechenland auf 881 Millionen Euro (Stand: Ende September 2011) zurückgefahren, wobei die Staatsanleihen auf den niedrigen Marktwert abgeschrieben wurden. Der größte Posten entfällt auf Italien (2,25 Milliarden Euro). Für Spanien weist die Bank 855 Millionen Euro, für Irland 318 Millionen Euro, für Portugal 78 Millionen.

COMMERZBANK: Die griechischen Staatsanleihen wertete die seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Bank um ein Viertel ab und schrieb dafür 760 Millionen Euro ab - sie stehen nun noch mit 2,2 Milliarden Euro in den Büchern. Die Bank hatte Ende Juni 8,7 Milliarden Euro in italienischen Staatsanleihen, 2,9 Milliarden in spanischen und 900 Millionen in portugiesischen Bonds. Irische Staatspapiere hat die Bank nach eigenen Angaben praktisch nicht im Bestand.

DZ Bank: Die Forderungen der genossenschaftlichen Gruppe an die öffentliche Hand der fünf Euro-Staaten einschließlich Staatsanleihen beliefen sich Ende Juni auf insgesamt 7,0 Milliarden Euro (Ende 2010: 7,8 Milliarden). Rund 3,9 Milliarden Euro entfallen auf Spanien, gegenüber der öffentlichen Hand in Italien haben die Genossen Forderungen von 2,1 Milliarden Euro, gegenüber Griechenland von rund einer Milliarde Euro. Auf Portugal entfallen 731 Millionen und auf Irland 50 Millionen Euro.

DEKABANK: Die Bank gibt auf Nominal-Basis folgende Werte an für ihr Engagement in den fünf Euro-Staaten an (Stand Ende Juni): Griechenland 100 Millionen, Irland 30 Millionen, Portugal 25 Millionen, Italien 140 Millionen, Spanien 161,6 Millionen Euro.

LANDESBANK BADEN-WÜRTTEMBERG: Die LBBW hat ihr Engagement bis Ende Juni in fast allen EU-Ländern drastisch heruntergefahren. In Griechenland ist es auf 404 Millionen Euro geschrumpft. Die Forderungen belaufen sich an Italien auf 3,5 Milliarden Euro und an Spanien auf 2,8 Milliarden Euro. Ihr Engagement in Portugal hat die größte deutsche Landesbank seit Ende Juni 2010 um 44 Prozent auf 1,2 Milliarden, in Irland um 77 Prozent auf 92 Millionen Euro gesenkt.

LANDESBANK HESSEN-THÜRINGEN: Die HELABA hatte mit Stand Ende Juni 2011 in Portugal 60 Millionen Euro im Feuer, in Italien 271 Millionen, und in Spanien 511 Milllionen Euro. Gegen den irischen und italienischen Staat hat die Helaba keine Forderungen. Sein Engagement in griechischen Staatsanleihen von 86 Millionen Euro hat das Institut zum 30. Juni vollständig auf die aktuellen Marktwerte abgeschrieben.

WESTLB: Die Landesbank hatte zum 30. Juni 2011 inklusive ihrer Tochter WestImmo in Griechenland ein Portfolio von 120 Millionen Euro. Stark engagiert ist die Bank in Italien (1,464 Mrd Euro) und Spanien (616 Mio Euro). In Irland waren es 25 Millionen Euro. An Portugal gibt es Forderungen in Höhe von 169 Millionen Euro.

NORDLB: Sie war zum 30. Juni 2011 mit 217 Millionen Euro in Griechenland engagiert. Höher waren die Forderungen an Italien (2 Mrd Euro), Spanien (575 Mio Euro), Portugal (380 Mio Euro) und Irland (317 Mio Euro).

HSH NORDBANK: Die mit Steuermilliarden gestützte Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein hatte Mitte 2011 nach eigenen Angaben rund 108 Millionen Euro in Griechenland-Papiere investiert. In Italien sind es 647 Millionen, in Spanien 183 Millionen und in Portugal 259 Millionen Euro. In Irland ist die Bank nicht engagiert.

LANDESBANK BERLIN: Sie war Ende Juni wie folgt in Staatspapieren engagiert: Griechenland 230 Mio Euro, Spanien 379 Mio Euro und Italien 484 Mio Euro. Irische und portugiesische Staatspapiere hielt sie nicht.

BAYERNLB: Die bayerische Landesbank hatte Ende Juni noch griechische Staatsanleihen im Buchwert von 101 Millionen Euro in den Büchern. Forderungen gibt es zudem noch gegenüber Italien (496 Mio Euro) und Irland (16 Mio Euro). Aus Portugal und Spanien hat sie sich ganz zurückgezogen.

ALLIANZ: Der Versicherungskonzern hat den Wert seiner griechischen Staatsanleihen von 1,3 Milliarden Euro (Stand Jahresende 2010) auf 782 Millionen Euro reduziert. Darüber hinaus sehen die offenen Positionen der Gruppe nach jüngsten Zahlen wie folgt aus: Portugal: 780 Millionen Euro, Irland 646 Millionen, Spanien 5,1 Milliarden und Italien 29 Milliarden Euro.

MUNICH RE: Der Rückversicherer hat seine Staatsanleihen in zweiten Quartal dem Marktwert in der Bilanz angepasst. In Griechenland hat die Munich Re ein Engagement von 1,1 Milliarden Euro auf 800 Millionen Euro zurückgefahren, in Portugal von 600 auf 400 Millionen, in Irland von 1,6 auf 1,5 Milliarden, in Spanien von 2,3 auf 2,0 Milliarden und in Italien von 5,4 auf 5,3 Milliarden Euro.

HYPO REAL ESTATE (HRE): Die verstaatlichte Immobilienbank hat durch die Auslagerung von giftigen Papieren in die «Bad Bank» FMS Wertmanagement ihr Risiko deutlich verkleinert. Zum Ende des ersten Quartals standen noch italienische Staatsanleihen im Wert von 2,8 Milliarden Euro in den Büchern und portugiesische Staatsanleihen von rund 300 Millionen Euro. Griechische, spanische oder irische Staatsanleihen hält die HRE nicht mehr.

FMS WERTMANAGEMENT: Die «Bad Bank» der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE) hielt zum Ende des Halbjahres 7,2 Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen.

ERSTE ABWICKLUNGSANSTALT (EAA): Die WestLB hatte den Großteil des Bestandes der Risiko behafteten Papiere Anfang 2010 in diese «Bad Bank» ausgelagert. Die EAA hatte mit Stand Ende Juni rund 1,1 Milliarden Euro Forderungen an Griechenland. Zum Stichtag hatte die EAA außerdem Forderungen an Italien (2,1 Mrd Euro), Portugal (1,6 Mrd Euro), Spanien (1,2 Mrd Euro) und Irland (rund 100 Mio Euro).

EU / Finanzen / Banken
26.10.2011 · 22:45 Uhr
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