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Hintergrund: Die Demontage von Atomkraftwerken

Abbau des AKW LubminGroßansicht

Hannover/Stade (dpa) - Wird ein Atomkraftwerk abgeschaltet, folgt die Demontage des Reaktorgebäudes. Das kostet viel Zeit und Geld. Nach Angaben des Deutschen Atomforums gibt es bei der Stilllegung zwei Möglichkeiten: Entweder wird ein Atomkraftwerk im Anschluss an die Nachbetriebsphase sofort zurückgebaut oder erst nach dem «Sicheren Einschluss» beseitigt.

Als Beispiele für einen «erfolgreichen Rückbau» nennt das Atomforum das Kernkraftwerk Niederaichbach, den Heißdampfreaktor Großwelzheim und das Versuchsatomkraftwerk Kahl (alle in Bayern). Zahlreiche weitere kerntechnische Anlagen werden derzeit zurückgebaut. Das weltweit größte Stilllegungs-Projekt liegt nach Angaben des Atomforums in Mecklenburg-Vorpommern. Dort soll das ehemalige Kernkraftwerk Greifswald bis 2012 abgebaut werden.

Der Rückbau von Atomkraftwerken ist teuer. Die Betreiber sind laut Gesetz verpflichtet, entsprechende Summe zurückzulegen. 500 Millionen Euro sind allein für das 2005 vom Netz genommene Kraftwerk Obrigheim (Baden-Württemberg) vorgesehen, die gleiche Summe sollen auch die Arbeiten im niedersächsischen Atomkraftwerk Stade kosten. Der Meiler war seit 1972 in Betrieb und produzierte bis zu seiner Schließung 2003 rund 140 Millionen Kilowattstunden Strom.

Bis ein Kernkraftwerk vollständig stillgelegt ist, können viele Jahre vergehen. Das Kernkraftwerk Würgassen (Nordrhein-Westfalen) wurde beispielsweise 1997 stillgelegt, die Arbeiten sollen nach Angaben eines Sprechers des Betreibers Eon Kernkraft noch bis 2014 dauern. In Stade sollen 2015 die letzten Gebäude abgerissen werden.

In Obrigheim sind zehn Jahre vorgesehen. In dieser Zeit müssen rund 275 000 Tonnen Material abgebaut werden, darunter 2300 Tonnen radioaktiver Abfall. Die Demontage begann mit den nicht-nuklearen Teilen des Meilers, zum Beispiel mit dem Maschinenhaus und dem Überwachungsbereich.

In einem zweiten Schritt stehen die leicht kontaminierten Anlagenteile des Kontrollbereichs auf dem Programm. Von dort an geht es unter anderem mit Hilfe einer Fernbedienung oder auch mit Arbeiten unter Wasser an Teile wie das Druckgefäß, das dem Neutronenbeschuss direkt ausgesetzt war. Im vierten Abschnitt kommen die Hilfseinrichtungen wie Kräne, Lüftungen sowie Anlagen zur Wasseraufbereitung und zur Reinigung dran.

Nach der Demontage des Kraftwerks bleiben die 342 abgebrannten radioaktiven Brennelemente bis zu 40 Jahre lang in einem Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände. Kritiker fürchten, dass die Castor-Behälter mit dem Atommüll undicht werden und dann die Umwelt verstrahlen könnten.

Das Deutsche Atomforum wurde im Jahr 1959 gegründet, um die friedliche Nutzung der Kernenergie in Deutschland zu fördern.

Erdbeben / Atom / Japan / Deutschland
16.03.2011 · 00:29 Uhr
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