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Hintergrund: Die «Basidsch»-Miliz

Hamburg (dpa) - Irans Mullah-Regime kann sich bedingungslos auf die «Basidsch»-Miliz verlassen. Nach der Islamischen Revolution 1979 gründete Ajatollah Khomeini die religiöse Volksmiliz als Keimzelle einer «Armee der 20 Millionen».

Die iranischen Behörden geben die aktuelle Zahl der Freiwilligen mit mehr als zehn Millionen an. Unabhängige Schätzungen belaufen sich auf 300 000 bis drei Millionen. Das Zentrum für Strategische Studien in den USA geht von 90 000 «Berufs-Basidsch» und 300 000 Reservisten aus.

Die Truppe kann nach diesen Angaben auf bis zu eine Million Kämpfer verstärkt werden. Die meisten Freiwilligen sind junge Männer, aber auch schon Zwölfjährige. Es existieren zudem Frauen-Einheiten. Landesweit gibt es kaum eine Moschee, der nicht eine Miliz-Truppe angeschlossen ist. Offiziell stehen die «Basidsch» unter dem Kommando der Revolutionsgarden.

Im Krieg gegen den Irak (1980-1988) wurden fanatisierte «Basidsch» als Kindersoldaten missbraucht. Tausende von ihnen marschierten über Minenfelder. Ihr «Märtyrer-Tod» wird in der jährlichen «Basidsch»- Woche glorifiziert. Nach dem Krieg war die Hauptaufgabe neben der Katastrophenhilfe der Schutz des Regimes vor Gegnern im Innern. Etwa ein Viertel der Milizionäre hat Schusswaffen. Der Rest ist mit Knüppeln und Messern ausgerüstet und verbreitet in oft kleinen Einheiten auf Motorrädern Angst und Schrecken.

In Betrieben, Schulen und bei Straßenkontrollen prüfen sie, ob die strengen Regeln der Islamischen Republik befolgt werden, zum Beispiel ob Frauen die Bekleidungsvorschriften einhalten. Gemeinsame Partys von jungen Männern und Frauen werden gewaltsam beendet. 2006 wurde ein Student von einem Milizionär wegen «unislamischen Verhaltens» erstochen: Er hatte sich öffentlich mit seiner Freundin unterhalten. Mehrfach überfielen die Schlägertrupps oppositionelle oder «verwestlichte» Studenten. In den vergangenen Jahren unterstützen sie offen Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der wiederholt in «Basidsch»-Uniform auftrat. Veranstaltungen seiner Kritiker wurden mehrfach von Milizionären gestört. Bei den Protesten nach der umstrittenen Wiederwahl Ahmadinedschads sollen Milizionäre auf Demonstranten geschossen haben.

Konflikte / Wahlen / Iran
22.06.2009 · 13:08 Uhr
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