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Hintergrund: Die Akteure in Ägypten

Kairo/Berlin (dpa) - Der Ausgang der nun schon tagelangen Unruhen in Ägypten ist ungewiss. Ob sich der Langzeitherrscher Husni Mubarak halten kann oder ob ihn der Volkszorn hinwegfegen wird, entscheidet sich im Kräftespiel verschiedener Akteure:

DAS REGIME: Präsident Mubarak regiert im 30. Amtsjahr. Er übernahm die Führung Ägyptens, nachdem 1981 Islamisten seinen Vorgänger Anwar al-Sadat ermordet hatten. Seine Macht stützt Mubarak auf das Militär, die Polizei, den Geheimdienst Muchabarat und auf die Staats- und Regierungspartei NDP. Seit dem Sadat-Attentat gilt in Ägypten ein Ausnahmezustand, der es dem Regime ermöglicht, die politischen Freiheiten massiv einzuschränken und Andersdenkende polizeilich zu verfolgen.

DIE OPPOSITION: Die Medien berichten freier als früher, die Opposition kann sich eingeschränkt organisieren, dabei aber nicht wirklich bei Wahlen antreten. Als stärkste Oppositionskraft gilt die islamistische Muslimbruderschaft. Die derzeitigen Proteste gehen aber hauptsächlich auf das Konto neuer, ziviler Initiativen wie die Jugendbewegung «6. April», die ihre Anhänger vor allem über die Internet-Plattform Facebook mobilisiert.

DIE MEDIEN: Sie sind ein wichtiges Forum für die Verbreitung regimekritischer Nachrichten. Es gibt eine lebendige Szene von Zeitungen mit zum Teil eigenen Internet-Auftritten, darunter die Tageszeitung «Al-Masri Al-Youm» (Ägypten heute). Von enormer Bedeutung ist der arabische Nachrichtenkanal Al-Dschasira, der über Satellit empfangen werden kann und ungeschminkt über Konflikte in der gesamten Region berichtet. Er ist im Golf-Emirat Katar beiheimatet und entzieht sich damit dem Zensurzugriff der ägyptischen Behörden.

DAS MILITÄR: Jeder ägyptische Präsident seit der Revolution von 1952, auch Mubarak, kommt aus den Streitkräften. Sie sind ein Staat im Staate - nicht nur mit eigener Gerichtsbarkeit, sondern auch mit eigenen Firmen, die in ihrem Geschäftsfeld oft über Staatsmonopole verfügen. Die Offiziere gelten als privilegiert. Das Militär hat viel zu verlieren, aber auch unterschiedliche Optionen. Es könnte an der Seite Mubaraks den Aufstand der Unzufriedenen brutal niederwerfen. Es könnte sich aber auch gegen den Staatschef wenden und damit zum Mitgestalter der Epoche danach werden.

DIE POLIZEI: Sie ist vielen Ägyptern verhasst. Ihre korrupten Beamten peinigen die kleinen Lastwagenfahrer und Busunternehmer. Auf ihren Wachstuben werden die Delinquenten - egal ob Kriminelle oder politische Gefangene - verprügelt und gefoltert. Mit ihren fragwürdigen Methoden hält sie in dem bevölkerungsreichen und verarmten Land zugleich auch ein Minimum an öffentlicher Ordnung aufrecht. Viele Ägypter mögen sie verachten, doch noch mehr fürchten sie das anarchische Chaos, das ohne sie auszubrechen droht.

Unruhen / Regierung / Ägypten
29.01.2011 · 15:16 Uhr
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