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Hintergrund: Der Niedergang der SPD

Franz MünteferingGroßansicht
Berlin (dpa) - Mit dem Führungsduo Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering wollte die SPD am Sonntag das Kanzleramt zurückerobern. Der Versuch endete in einem Desaster - die SPD landete nach elf Regierungsjahren abgeschlagen auf der Oppositionsbank.

Das Rekord-Tief von 23 Prozent stellt auch ihren Charakter als Volkspartei infrage. Bei ihrem besten Abschneiden 1972 in der Ära Willy Brandt lag das Ergebnis mit 45,8 Prozent noch fast doppelt so hoch. Auch im Bundesrat kann sie nichts gegen Schwarz-Gelb ausrichten. Die letzte Machtbasis ist ihre Regierungsbeteiligung in sechs Bundesländern.

Müntefering wollte es noch einmal wissen

Der Sauerländer Müntefering, der 2004/05 schon einmal SPD-Chef war, trat im Oktober 2008 die Nachfolge des gescheiterten Parteivorsitzenden Kurt Beck an. Die Sozialdemokraten setzten ihre Hoffnungen auf den erfahrenen Wahlkämpfer, der Gerhard Schröder (SPD) 1998 und 2002 den Weg ins Kanzleramt geebnet hatte. Der als Außenminister populäre Steinmeier sollte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ablösen.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Beck war der fünfte Parteichef der SPD seit Ende der 1990er Jahre. Er vermochte es nicht, das Parteiprofil nach dem Kanzleramtsverlust 2005 wieder zu schärfen. Die teilweise Abkehr von der «Agenda»-Politik Schröders fruchtete nicht.

Kanzlerjahre unter Gerhard Schröder

Schröder hatte 1998 mit exzellenten 40,9 Prozent der Wählerstimmen nach 16 Jahren Helmut Kohl (CDU) abgelöst. Mit seiner rot-grünen Regierung war er der dritte und vorerst letzte SPD-Kanzler der Bundesrepublik. Er versprach den Abbau der hohen Arbeitslosigkeit. 2002 behauptete er seinen Posten, doch die harten Reformen der Agenda 2010 gingen dem linken Flügel der Partei und vielen Stammwählern zu weit.

2005 setzte die SPD-Spitze nach mehreren Wahlpleiten in den Ländern auf eine vorgezogene Bundestagswahl - und verlor mit 34,2 Prozent. Die Partei wurde Juniopartner in einem schwierigen Bündnis mit der Erzrivalin Union.

Erinnerungen an gute Zeiten

Die guten Zeiten der SPD als Volkspartei liegen weit zurück. 1969 wurde mit Willy Brandt mit Hilfe der FDP erstmals ein Sozialdemokrat Bundeskanzler. Seine Ostpolitik trug zur Entspannung im Kalten Krieg bei. Nachfolger Helmut Schmidt bewährte sich als Krisenmanager - besonders, als die Rote Armee Fraktion (RAF) Angst und Schrecken verbreitete. Die FDP wechselte 1982 die Seiten und brachte Helmut Kohl ins Kanzleramt.

Im zweiten Jahr der Amtszeit von Kohls Nachfolger Schröder musste die mehr als 100 Jahre alte Traditionspartei herbe Verluste einstecken: 1999 verlor sie in ihrer «Herzkammer», dem Ruhrgebiet, bei Kommunalwahlen viele Städte an die CDU. 2004 fuhr sie in Sachsen mit 9,8 Prozent das schlechteste aller bisherigen Landtagswahlergebnisse ein. Bei der Europawahl im Juni kamen die Genossen nur auf 20,8 Prozent - das schlechteste bundesweite Ergebnis seit jeher.

Parallel zum Vertrauensverlust beim Wähler verlor die SPD zigtausende Mitglieder. Zu Zeiten Brandts hatte noch rund eine Million Menschen das rote Parteibuch - heute sind es nur noch rund 513 000. In den 80er Jahren wechselten viele zu den neu gegründeten Grünen, der zweite Aderlass war die Abwanderung zur Linkspartei.

Wahlen / Bundestag / SPD
28.09.2009 · 14:44 Uhr
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