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Hintergrund: Das Superwahljahr 2011 in Deutschland

Seit Mai 2011 ist Winfried Kretschmann Ministerpräsident von Baden-Württemberg.Großansicht

Berlin (dpa) - Die Grünen eilten von Erfolg zu Erfolg, die SPD erlebte eine Renaissance, bei der FDP folgte eine Niederlage der nächsten und CDU und Linke würden 2011 wohl am liebsten abhaken. Das war das Superwahljahr mit sieben Landtagswahlen in Deutschland:

CDU: Für die CDU ist die baden-württembergische Landtagswahl im März die wohl bitterste Schlappe des Jahres: Nach fast 60 Jahren muss die Union den Posten des Regierungschefs im Südwesten abgeben. Unter Stefan Mappus bleibt die Partei mit 39,0 Prozent zwar stärkste Kraft, trotzdem reicht es nicht - Grün-Rot löst Schwarz-Gelb ab. Auch die restlichen Landtagswahlen bringen der CDU nur wenig Gutes. Sie sind geprägt von Negativrekorden: Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg fährt die CDU den schlechtesten Wert seit dem Krieg ein, in Bremen holt sie das schlechteste Ergebnis der vergangenen 50 Jahre, in Mecklenburg-Vorpommern das schlechteste seit der Wiedervereinigung. Nur in Sachsen-Anhalt läuft es besser: Hier verteidigt die CDU den Ministerpräsidentenposten. Und in Berlin könnte es nach 23,4 Prozent noch für den Posten des Juniorpartners in einer SPD-geführten Regierung reichen.

SPD: Nach ihrer Schlappe bei der Bundestagswahl vor zwei Jahren erlebt die SPD 2011 eine Renaissance in den Ländern. In Hamburg löst sie mit Olaf Scholz die CDU-Landesregierung ab. In Rheinland-Pfalz, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und nun auch in Berlin stellt sie weiter den Regierungschef. Allerdings büßt sie in Mainz drastisch ein und muss in eine Koalition mit den Grünen. In Sachsen-Anhalt bleibt die SPD in der CDU-geführten Regierung. Den größten Erfolg bringt die Wahl in Baden-Württemberg: Zwar verliert die SPD mit Spitzenkandidat Nils Schmid leicht an Stimmen. Dank eines phänomenalen Wahlerfolgs der Grünen wechseln die Sozialdemokraten aber von der Oppositions- auf die Regierungsbank - als Juniorpartner. In Berlin bleibt die SPD trotz leichter Verluste auf 28,3 Prozent mit Klaus Wowereit an der Spitze die Nummer 1.

FDP: Für die FDP ist das Wahljahr 2011 eine Serie von bitteren Niederlagen. In Hamburg feiern die Liberalen noch die Rückkehr ins Parlament nach sieben Jahren Abstinenz, doch dann geht's bergab. Gleich fünfmal scheitern sie zum Teil sehr deutlich an der Fünf- Prozent-Hürde: In Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin fliegen sie aus den Parlamenten. Die 1,8 Prozent der Berlin-Wahl sind der Tiefpunkt. In ihrem Stammland Baden-Württemberg reichen 5,3 Prozent der FDP gerade noch, um im Landtag zu bleiben. Sie halbiert aber ihr Ergebnis von 2006 (10,7 Prozent) und muss in die Opposition gehen.

LINKE: Die stärkere Etablierung der Linken im Westen misslingt im Superwahljahr 2011. Weder in Baden-Württemberg (2,8 Prozent) noch in Rheinland-Pfalz (3,0) schafft es die Linke in den Landtag. In Bremen verliert sie, kommt aber mit 5,6 Prozent noch in die Bürgerschaft. In Sachsen-Anhalt reichen 23,7 Prozent nur für Platz 2 hinter der CDU. In Mecklenburg-Vorpommern kommt die Partei zwar auf 18,4 Prozent - die SPD hält sich aber auch eine Koalition mit der CDU offen. In Berlin muss die Partei mit dem zweitschlechtesten Ergebnis seit der Wiedervereinigung (11,7 Prozent) wieder in die Opposition: Die bisherige rot-rote Koalition hat keine Mehrheit mehr.

GRÜNE: Für die Grünen verläuft das Superwahljahr 2011 tatsächlich super: Sie eilen von Erfolg zu Erfolg. Die Wahl in Baden-Württemberg wird ihr größter Triumph. Mit einem Rekordergebnis von 24,2 Prozent führt Winfried Kretschmann seine Partei in die Regierung. Er wird erster grüner Ministerpräsident Deutschlands. In Sachsen-Anhalt können sie ihr Ergebnis von 2006 mit 7,1 Prozent fast verdoppeln, in Rheinland-Pfalz ziehen sie in die Landesregierung ein. Mit dem Einzug in den Landtag in Mecklenburg-Vorpommern sind die Grünen erstmals in allen 16 Landesparlamenten vertreten. Die Hoffnung, in Berlin einen zweiten Regierungschef zu stellen, werden aber enttäuscht. 17,6 Prozent sind zwar für die Grünen das beste jemals in Berlin erzielte Ergebnis - es bleibt aber hinter den eigenen Erwartungen zurück.

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19.09.2011 · 22:57 Uhr
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