News
 

Hintergrund: CSU kämpft für Merkel - und sich selbst

Blumen für die große Schwester: Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) im Wahlkampf.Großansicht
München (dpa) - Gewiss, in der CSU kämpfen sie auch für CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Mindestens genauso sehr aber kämpft die Partei für sich selbst. «Mit beiden Stimmen CSU: Für Bayern. Für unsere Kanzlerin», heißt es sogar ausdrücklich auf Wahlplakaten der Christsozialen.

Merkel soll Kanzlerin bleiben - aber auf die CSU hören müssen. Selbstbewusst, aber keineswegs siegesgewiss - so gibt sich die CSU unter Parteichef Horst Seehofer vor dieser Bundestagswahl. Das Ziel ist klar - eine schwarz-gelbe Koalition von Union und FDP. Eine große Koalition solle in einer Demokratie «kein Dauerzustand sein», sagt Seehofer. Das absolute CSU-Horrorszenario ist ein Bündnis von SPD, Grünen und Linken. «Rot-Rot-Grün wäre die Katastrophe für unser Land», warnt Spitzenkandidat Peter Ramsauer im «Bayernkurier».

So zieht die CSU in diesen Tagen also unter anderem gegen SPD und Linke zu Felde. Die Parteispitze samt Seehofer will zwar nicht von einem Lagerwahlkampf oder gar einer Rote-Socken-Kampagne sprechen, verspricht aber dennoch «stabile Verhältnisse» unter Schwarz-Gelb - und warnt gleichzeitig vor «Instabilität durch Rot-Rot-Grün».

Andererseits aber versucht die CSU um jeden Preis, der FDP, mit der sie seit Herbst im Freistaat regiert, wieder Stimmen abzujagen. Der eine Teil der Taktik heißt Karl-Theodor zu Guttenberg: Der Bundeswirtschaftsminister, der neue CSU-Superstar in Berlin, soll auch typisches FDP-Klientel ansprechen. Grundsätzlich wollen die Christsozialen die Liberalen als kalte Marktradikale hinstellen und sich selbst als Verfechter der sozialen Marktwirtschaft - womit man darüber hinaus auch der SPD Konkurrenz machen will. Auch der Dauer- Koalitionskrach in Bayern dient vorrangig einem einzigen Ziel: FDP- Wähler wieder auf die Seite der CSU zu ziehen.

Denn bei der bayerischen Landtagswahl im vergangenen Herbst hatte die CSU ihr Waterloo erlebt: Auf nur noch 43,4 Prozent stürzte die einstige «50 plus X»-Partei ab. Ministerpräsident Günther Beckstein und Parteichef Erwin Huber mussten gehen, Seehofer kam - und konnte bereits bei der Europawahl im Juni einen ersten Erfolg vermelden: Mit 48,1 Prozent führte er die Partei aus dem tiefen Tal der Tränen.

Von Überheblichkeit aber ist bei der CSU heute keine Spur. Man ist auch vorsichtiger geworden, was Wahlprognosen angeht. Nur einmal ließ sich Seehofer entlocken, so viel Prozent wie bei der Bundestagswahl 2005 sollten es schon sein. Damals hatte die CSU 49,2 Prozent geholt. Seehofer weiß: Je mehr die CSU zu einem guten Unions-Ergebnis und damit zur zweiten Kanzlerschaft Merkels beiträgt, desto größer wird das Gewicht der Christsozialen in einer künftigen Koalition sein.

Wahlen / Bundestag
16.09.2009 · 13:14 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
Es liegen momentan keine neuen Nachrichten vor.
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
19.10.2017(Heute)
18.10.2017(Gestern)
17.10.2017(Di)
16.10.2017(Mo)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen