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Hintergrund: «Brücke der Agenten» von Ost nach West

Sicherheitsbeamte in Zivil bei einem Agentenaustausch von acht Personen auf der Glienicker Brücke, die West-Berlin mit dem damaligen DDR-Bezirk Potsdam verbindet (Archivfoto vom 11.02.1986).Großansicht
Berlin (dpa) - Sie spionierten Militärgeheimnisse aus oder verschafften sich Pläne von Wirtschaftsunternehmen und wurden gefasst: In Zeiten des Kalten Krieges haben Ost und West mehrfach enttarnte Agenten des anderen Lagers gegen eigene Leute ausgetauscht.

Spektakuläre Übergaben wurden an der Glienicker Brücke zwischen dem damaligen West-Berlin und Potsdam organisiert. Die von der DDR «Brücke der Einheit» genannte Stahlkonstruktion an der Nahtstelle der verfeindeten Blöcke wird mehrfach als «Brücke der Agenten» Schauplatz filmreifer Szenen. Am 10. Februar 1962 um 5 Uhr früh überschreitet - von Scheinwerfern in gespenstisches Licht getaucht - Gary Powers einen auf die Brücke gemalten weißen Strich in Richtung Freiheit.

Der Pilot des 1960 über der Sowjetunion abgeschossenen US- Spionageflugzeugs U2 hatte sich damals mit dem Fallschirm retten können und war von einem sowjetischen Militärgericht zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Er wurde in der Nacht-und-Nebel-Aktion gegen den in den USA gefassten und zu 30 Jahren Gefängnis verurteilten sowjetischen Spitzenspion Rudolf Iwanowitsch Abel ausgetauscht.

Der größte Agenten-Ringtausch während der Block-Konfrontation erfolgt «High Noon» am 11. Juni 1985. An dem nur sowjetischen Militärs und westlichen Militärmissionen vorbehaltenen Grenzübergang stehen sich um 12 Uhr mittags «Schlapphüte» der Nachrichtendienste und Diplomaten gegenüber, darunter der DDR-Vermittler, Rechtsanwalt Wolfgang Vogel.

Auf DDR-Gebiet sitzen gefangene West-Spione in einem Bus und wissen nicht, was mit ihnen passiert. Auf der anderen Seite der Brücke warten ihre Ost-«Kollegen» in einem blauen Kombiwagen. Dann überschreitet der Unterhändler und spätere US-Botschafter in der Bundesrepublik, Richard Burt, die weiße Grenzlinie, steigt in den Bus und verkündet den nun jubelnden West-Agenten ihre Freilassung.

Danach fahren die insgesamt 25 in der DDR aufgeflogenen CIA- Agenten mit dem Bus nach West-Berlin. Im Gegenzug steigen vier Ost- Spione aus dem Kombi und gehen zu Fuß über die Brücke. Nach jahrelanger diplomatischer Vorarbeit geht der spektakuläre Austausch in nur einer halben Stunde über die Bühne.

Am 11. Februar 1986 gelangt auch der sowjetische Bürgerrechtler Anatoli Scharanski im Austausch gegen sechs Ost-Agenten über die Brücke nach West-Berlin. Der jüdische Computerspezialist am Moskauer Institut für Erdölforschung hatte 1973 einen Ausreiseantrag nach Israel gestellt. In den Jahren danach verlor Scharanski nach seinem Einsatz für Menschenrechte in der UdSSR erst seinen Job und dann seine Freiheit. Als angeblicher US-Spion landete er in einem Arbeitslager im Ural.

Nach Jahren hinter Stacheldraht wird die Symbolfigur des  Widerstandes nun 1986 auf der Glienicker Brücke bei klirrender Kälte und Schneetreiben von zahlreichen Journalisten aus aller Welt erwartet. Auch DDR-Rechtsanwalt Wolfgang Vogel fährt vor - in einem goldfarbenen Mercedes - und eskortiert die Kleinbusse mit den Ost- Agenten in die DDR.

Spionage / Justiz / Russland / USA
10.07.2010 · 10:04 Uhr
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