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Hilfswerk: Mehr in Aufbau Afghanistans investieren

Braunschweig (dpa) - Nach dem von der Bundeswehr angeforderten Luftangriff in Afghanistan wächst nach Einschätzung der Hilfsorganisation Shelter Now die Gefahr auch für zivile Helfer.

Dennoch gebe es für eine weitere westliche Militärpräsenz in dem Land keinerlei Alternative, sagte der Vorsitzende von Shelter Now Deutschland, Udo Stolte, der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Wenn solche Vorfälle passieren kann es sein, dass Menschen, die schon von Extremisten geimpft sind, sich gegen Hilfsorganisationen wenden. Die Bereitschaft könnte wachsen, Anschläge auch auf zivile Helfer zu verüben.»

Trotz der wachsenden Gewalt dürfe der Westen Afghanistan nicht fallen lassen, forderte Stolte. «Wenn man jetzt alles abzieht, dann müssen die zivilen Helfer auch gehen und dann versinkt das Land wieder im Chaos.» Der begonnene Wiederaufbau dürfe nicht in Gefahr gebracht und gestoppt werden. «Sonst laufen die Menschen den Regierungsgegnern in Scharen in die Arme.» Konsequenter als bisher müsse die westliche Politik in den Wiederaufbau und in eine sinnvolle Entwicklungszusammenarbeit investieren.

Bereits jetzt hätten sich Hilfsorganisationen aus dem Land zurückgezogen, weil sie ihren Mitarbeitern die verschärfte Sicherheitslage nicht mehr zumuten wollten. «Das ist jeder Organisation überlassen.» Das christliche Hilfswerk Shelter Now ist seit 1988 in Afghanistan aktiv. 2001 geriet die Organisation in die Schlagzeilen, als acht Mitarbeiter drei Monate lang von den Taliban gefangen gehalten wurden. Sie kamen schließlich frei.

Shelter Now verhilft aus dem Iran zurückkehrenden Flüchtlingen derzeit in Afghanistan zu einer Ausbildung in der Landwirtschaft und im Gartenbau. In einer Kooperative sollen die Absolventen später Flächen bestellen, die die Hilfsorganisation bereits gepachtet hat. Viele der Rückkehrer haben kein eigenes Land mehr. Als Hilfe zur Selbsthilfe erhalten Bauern auch Kleinkredite, die ihnen den Ankauf neuen Viehs ermöglicht. Außerdem läuft als Alternative zum Mohnanbau in West-Afghanistan ein Projekt zum Anbau von Obst und Safran.

Gespräch: Michael Evers, dpa

Internet: www.shelter.de

Konflikte / Bundeswehr / Hilfsorganisationen / Afghanistan
06.09.2009 · 08:54 Uhr
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