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Hilfsorganisationen: Im Sudan droht neuer Krieg

Bewaffneter im Sudan. Nach Auffassung von Hilfsorganisationen droht im Sudan ein neuer Krieg.Großansicht
Nairobi/Khartum (dpa) - Mindestens 140 Menschen sind in den vergangenen Tagen bei ethnischen Kämpfen im Südsudan getötet worden. Das berichtete der britische Rundfunksender BBC am Donnerstag unter Berufung auf örtliche Behördenvertreter.

Mitglieder der Volksgruppe der Nuer hätten Dinka-Nomaden angegriffen und mehrer tausend Rinder gestohlen, sagte ein Provinzgouverneur des Bundesstaates Warrap. Am selben Tag hatten mehrere Hilfsorganisationen vor einem neuen Krieg im Sudan gewarnt, falls sich die internationale Gemeinschaft in den kommenden zwölf Monaten nicht stärker um das Land kümmere.

Das vor fünf Jahren zwischen den Bürgerkriegsparteien im Nord- und Südsudan geschlossene Friedensabkommen stehe vor dem Zusammenbruch, heißt es in einem Bericht von zehn Hilfsorganisationen. Grund seien chronische Armut, steigende Gewalt und politische Spannungen.

Das Jahr 2009 sei «ein Jahr der Gewalt für die Menschen im Südsudan» gewesen. Mehr als 2500 Menschen seien getötet und 350 000 vertrieben worden. «Die Sicherheit der Menschen im Südsudan ist Tag für Tag bedroht», warnten unter anderem Oxfam und Caritas France. Anlass zu «äußerster Sorge» biete auch die Situation in der westsudanesischen Konfliktregion Darfur, wo 2,3 Millionen Menschen in Flüchtlingslagern leben.

Die Regierung in Khartum hatte 2005 mit der im Süden des Landes aktiven Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLM) ein Friedensabkommen geschlossen. Während des mehr als 20-jährigen Bürgerkrieges zwischen dem hauptsächlich arabisch-islamischen Norden und dem überwiegend von schwarzafrikanischen Christen bewohnten Süden kamen etwa zwei Millionen Menschen ums Leben, rund vier Millionen wurden obdachlos.

Die Hilfsorganisationen befürchten, dass die im April geplanten ersten freien Wahlen seit 24 Jahren und eine für 2011 vorgesehene Volksabstimmung über die mögliche völlige Unabhängigkeit des Südsudans ohne entsprechende Vorbereitung zu neuer Gewalt führen. In dem Papier riefen sie den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auf, den Schutz von Zivilisten zu einer Priorität der UN-Mission im Sudan zu machen.

Die Geberländer sollten zudem mehr längerfristige Mittel für Gesundheitsfürsorge, Bildung, sauberes Wasser und Infrastruktur im Südsudan bereitstellen, wo «das Ausmaß des Bedarfs schier unvorstellbar ist»: Weniger als die Hälfte der südsudanesischen Bevölkerung hat Zugang zu sauberem Trinkwasser, die Müttersterblichkeit ist eine der höchsten weltweit, jedes siebte Kind stirbt vor seinem sechsten Lebensjahr.

Konflikte / Sudan
07.01.2010 · 17:03 Uhr
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