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Hilfe für Sumatra rollt an

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Jakarta (dpa) - Im indonesischen Erdbebengebiet auf Sumatra ist die internationale Hilfswelle in vollem Umfang angerollt. Auch eine deutsche Such- und Rettungsmannschaft mit 24 Bergungsexperten, Notärzten und vier Spürhunden traf ein und begann umgehend mit der Suche nach Überlebenden.

Doch die Hoffnung, noch Lebende zu finden, sinkt mit jeder Stunde. Das indonesische Gesundheitsministerium geht inzwischen von mindestens 1200 Toten aus. Bis zu 4000 Verschüttete werden unter den Trümmern vermutet. Der Krisenstab hatte zunächst bekannt gegeben, dass 535 Leichen geborgen wurden. Außerdem werden zu den Toten etwa 650 Einwohner dreier Dörfer gezählt, die nach Angaben eines Krisenstab-Sprechers dem Erdboden gleichgemacht wurden. In dem Dorf Aia kamen fast 400 Gäste einer Hochzeitsfeier ums Leben. Die Vereinten Nationen hatte schon zuvor befürchtet, dass es bei der Naturkatastrophe mindestens 1100 Tote gegeben hat. Bis zu 80 Prozent der Gebäude in der Region sollen zerstört worden sein.

Vor dem Ambacang-Hotel in der verwüsteten Provinzhauptstadt Padang beflügelten Berichte über ein Lebenszeichen die Bergungsteams. Ein junger Mann habe SMS aus den Trümmern abgesetzt, sagte ein Freiwilliger im Fernsehen. Das fünfstöckige Gebäude war komplett eingestürzt. Darunter wurden Dutzende Eingeschlossene vermutet. Eine Schweizer Bergungsstaffel mit 18 Hunden suchte nach Lebenszeichen. Wer kein Werkzeug hatte, grub mit bloßen Händen im Schutt.

Über die Zahlen der Todesopfer gingen die Schätzungen am Samstag weit auseinander. Während die Indonesier 535 Todesopfer bestätigen, gingen die Vereinten Nationen von mindestens 1100 Toten aus. Tausende Menschen wurden obdachlos. Das Erdbeben der Stärke 7,6 hatte das Gebiet um die 900 000-Einwohner-Stadt Padang am Mittwochabend erschüttert. Die Region Pariaman nördlich davon war besonders betroffen, doch gelang es Helfern in den ersten Tagen nicht, dorthin vorzudringen. Die indonesische Nachrichtenagentur Antara berichtete am Samstag, das Dorf Aia sei komplett zerstört worden, von den 400 Einwohnern fehle jede Spur.

Außer dem deutschen Team der Organisation I.S.A.R. Germany waren am Samstag auch Bergungsmannschaften aus der Schweiz, Japan, Australien und Singapur in Einsatz. Sie sind darauf spezialisiert, Menschen aus eingestürzten Gebäuden zu retten. «Wir werden jetzt an mehr Stellen suchen können, wo noch Menschen eingeschlossen sind», sagte der Sprecher der Katastrophenschutzbehörde, Priyadi Kardono. «Die Ausländer haben die Geräte mitgebracht, um Menschen aus den Trümmern zu ziehen.»

Rund hundert Kilometer nördlich von Padang, in Padang Pariaman, war die Not am Samstag noch besonders groß. In der Region war noch keine Hilfe angekommen. Es gab keine Krankenstation, um die Verletzten zu behandeln. Im Hinterland waren zahlreiche Erdrutsche niedergegangen und hatten Häuser verschüttet. «Wir werden heute mit Hubschraubern dorthin fliegen und Zelte, Decken und Nahrungsmittel liefern», sagte ein Sprecher des Roten Kreuzes. Die Provinzregierung bat vor allem um Zelte - mindestens 10 000 Notunterkünfte würden benötigt. In manchen Gegenden gingen auch die Grundnahrungsmittel zur Neige.

Hunderte weitere Helfer aus aller Welt wurden am Samstag im Erdbebengebiet erwartet. Das deutsche Technische Hilfswerk hat Fachberater für Wasserversorgung und Infrastruktur in die Region gesandt. Zahlreiche Hilfsorganisationen waren bereits vor Ort. Die Kinderhilfsorganisation World Vision verteilte 690 Wasserbehälter. In Pariaman sollten am Sonntag 7200 Familien mit Hilfspaketen versorgt werden. Darin seien Plastikplanen, Decken, Matten, Hygieneartikel, Kochutensilien und für Kinder Windeln, Babyöl und Babypuder, teilte die Organisation mit. Sie wollte auch Betreuungszentren einrichten, in denen Kinder zur Ruhe kommen und spielen können. Die Bundesregierung hat zwei Millionen Euro Hilfe zugesagt.

US-Präsident Barack Obama hat nach einem CNN-Bericht am Freitag mit seinem indonesischen Amtskollegen Susilo Bambang Yudhoyono telefoniert und sich über die Lage im Land informiert. Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte, Obama habe versprochen, «alles zu tun, was in unserer Macht steht, um das Leid zu mindern».

Katastrophen / Erdbeben / Indonesien
03.10.2009 · 16:04 Uhr
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