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«Heulender» Nowitzki am Ziel seiner Träume

Dallas MavericksGroßansicht

Miami (dpa) - Dirk Nowitzki ist für immer zu einem deutschen Sportstar mit Weltruhm aufgestiegen. Und auch die Konkurrenz huldigt seit Pfingstsonntag, 22.47 Uhr Ortszeit dem Basketball-Riesen, der in der Stunde seiner sportlichen Krönung weich wurde.

Während seine Mitspieler den ersten NBA-Meistertitel der Dallas Mavericks überschwänglich bejubelten, verließ ihr Star nach dem 105:95-Sieg bei den Miami Heat fluchtartig das Parkett und ließ seinen Emotionen freien Lauf.

«Ich wollte kurz für mich allein sein, war in der Dusche in der Umkleide», sagte Nowitzki im champagnergetränkten Meisterschafts-T-Shirt und mit Champions-Basecap, «ich habe erstmal eine Minute gebraucht für mich selber, war ein bisschen emotional, habe ein bisschen geheult.»

In seiner Hand hielt er den Pokal für den wertvollsten Spieler (MVP) der Finalserie, den Legende Bill Russell ihm unter dem Jubel der zahlreichen Mavericks-Fans überreicht hatte. Er könne es noch gar nicht in Worte fassen, was sein langersehnter erster NBA-Titel jetzt bedeute. «Aber das kann uns nie mehr einer nehmen, die Meisterschaft im Jahr 2010/11 gehört für immer den Dallas Mavericks», meinte Nowitzki freudetrunken kurz vor seinem 33. Geburtstag.

Hunderte Basketball-Fans bereiteten Nowitzki und Co. am Montag trotz brütender Hitze in Dallas einen begeisterten Empfang am Flughafen. Als Erster verließ Clubbesitzer Marc Cuban mit einer Zigarre im Mund das Flugzeug und präsentierte die Meistertrophäe. Ihm folgte Nowitzki mit dem MVP-Pokal im Arm. Bürgermeister Dwaine Caraway begrüßte die Mannschaft, die zu den wartenden Fans am Rand des Rollfeldes ging. Nowitzki klatschte durch den Zaun Anhänger ab.

Auch Deutschland gratuliert dem bescheidenden Korbjäger ohne Allüren. «Es ist für Dirk etwas ganz Besonderes, weil er jetzt endlich auch in Amerika als echte Sportgröße anerkannt ist», sagte Vater Jörg, der daheim wie viele andere Würzburger bis morgens um fünf mitfieberte. «Ein echter Weltstar und ein exzellenter Botschafter für unser Land», so DOSB-Präsident Thomas Bach, sei Nowitzki, der nach 13 Jahren und 1117 Spielen in der besten Basketball-Liga des Globus endlich sein Ziel erreichte. Während Miamis Superstar LeBron James seine zweite Finalniederlage nach 2007 einstecken musste, ist Nowitzki ab sofort ein Topstar mit Titel.

«Dirk hat unglaublich gespielt und aus der Final-Niederlage 2006 gelernt. Er ist fraglos ein großartiger Spieler und jetzt auch ein Champion, Gratulation», betonte Heat-Regisseur Dwyane Wade. Vor fünf Jahren hatte er mit Miami Nowitzki in den Endspielen noch eine bittere Niederlage zugefügt. Doch das ist jetzt alles vorbei, vergessen, Vergangenheit. Vater Jörg war damals dabei, diesmal blieb er extra in Würzburg. Dort saßen einige hundert Fans vor Leinwänden in Kneipen der Altstadt, Nowitzkis ehemaliger Schule und einem Sportzentrum und machten die Nacht zum Tag.

Während Nowitzki und seine Mitspieler in der Kabine grölend die Champagner-Korken knallen ließen und anschließend in Miami feierten, bejubelten in Dallas sogar Hunderttausende den Titel. 18 000 hatten die Partie im American Airlines Center verfolgt, viele andere in Bars. «Simply Mav-elous» (einfach fantastisch), titelten die «Dallas Morning News» auf ihrer ersten Seite der Montagausgabe und zeigten einen ausgelassen jubelnden Nowitzki.

Daheim waren Freude und Anerkennung selten so einhellig, jeder gönnt dem einst auch als Tennisspieler sehr veranlagten Franken den Triumph. «Dieser Erfolg krönt eine lange Reise. Es gibt keinen, der die Meisterschaft mehr verdient hat als Dirk. Die Bilder aus Dallas zu sehen, ist sehr berührend», sagte Bundestrainer Dirk Bauermann und hofft nun auf einen Einsatz seines euphorisierten Stars bei der Europameisterschaft in Litauen.

Als Vorbild für die Jugend lobte Bach den Basketballer. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) bescheinigte dem deutschen Fahnenträger der Spiele von Peking 2008: «Er überragt nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch außerhalb.» Dallas-Trainer Rick Carlisle sprach von einem der größten Spieler in der Basketball-Geschichte.

Auch Nowitzkis Mitstreiter Jason Terry und Jason Kidd atmeten erleichtert auf. Terry war 2006 beim Final-Kollaps der Mavericks noch dabei, der 38-jährige Kidd hatte 2002 und 2003 die Endspiele mit den New Jersey Nets verloren. «Ein Traum ist wahr geworden. Das ist alles noch so unwirklich», sagte Terry. Der «Jet» flog im wichtigsten Match der Saison zur Höchstform, war mit 27 Punkten bester Mavericks-Werfer. «Er hat im vierten Viertel sogar zu mir gesagt: 'Denk an 06, das Ding holen wir uns heute'», sagte Nowitzki.

Der Deutsche erlebte indes eine «rabenschwarze erste Halbzeit», kam nur auf drei Zähler und traf nur einen seiner zwölf Würfe. Dennoch führte Dallas mit 53:51, und Fußball-Nationalspieler Arne Friedrich war auf der Tribüne überzeugt, «wenn Dirk seine Form findet, schaffen es die Mavericks». Nowitzki traf anschließend wie gewohnt, kam insgesamt auf 21 Punkte, zehn davon im Schlussabschnitt. Zudem spielte J.J. Barea mit 15 Zählern groß auf, und Ersatzmann DeShawn Stevenson trug drei ganz wichtige Dreier bei.

Noch ist unklar, wann es die traditionelle Meisterparade in Dallas geben wird. Bürgermeister Caraway erklärte, man wolle nicht bis zum Wochenende warten. Mavericks-Besitzer Cuban hat angekündigt, dass er den Triumphzug vom Rathaus zur Arena finanzieren wird.

Basketball / NBA / Finale
13.06.2011 · 23:40 Uhr
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