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Hannelore Kraft: Schwerer Start auf steinigem Weg

Hannelore KraftGroßansicht

Düsseldorf (dpa) - Ihre ersten Tage als Ministerpräsidentin sind ein Alptraum. Hannelore Krafts Weg bleibt steinig, auch nach monatelangen «Geburtswehen» ihrer rot-grünen Minderheitsregierung.

Gerade elf Tage ist die Sozialdemokratin Regierungschefin in Nordrhein-Westfalen, als die Loveparade in Duisburg weltweit katastrophale Schlagzeilen produziert.

Statt ihre ersten Wochen mit Vorstellungsrunden zu verbringen und den Machtwechsel zu genießen, muss sich Kraft als Krisenmanagerin und «Landesmutter» bewähren. Die üblichen 100 Tage «Schonfrist» bleiben ihr nicht. Ihre größte Herausforderung steht möglicherweise schon am Anfang ihrer Amtszeit.

Ebenso geht es dem neuen Innenminister Ralf Jäger (SPD). Dass beide es verstehen, im Angesicht des Horrors die richtigen Worte zu finden, wird ihnen fast unisono bescheinigt.

«Authentisch» ist das Wort, das nach Krafts Rede beim Gedenkgottesdienst für die 21 Todesopfer wohl am meisten zu hören ist. Kraft war Betroffene - als Mutter eines 17-jährigen Sohnes, um dessen Wohlergehen sie bei der Loveparade selbst stundenlang bangen musste. Auch der Innenminister fühlt sich tief betroffen. Er ist selbst Duisburger und war am Tag der Tragödie vor Ort, um sich einen Eindruck vom Großeinsatz der Polizei zu verschaffen.

Vier Tage später macht er einen ungewöhnlichen Schritt: Als Erster durchbricht Jäger die Mauer des Schweigens von Behörden und Veranstaltern und informiert die Öffentlichkeit. Ein heikler Akt. Denn was er präsentieren kann, sind nur allererste Erkenntnisse der Polizei. Der Staatsanwaltschaft darf er keinesfalls vorgreifen. «Dabei gehen wir an die Grenze dessen, was uns rechtlich möglich ist», räumt er selbst ein. Üblicherweise informiert die örtliche Polizei als Erste über ähnliche Katastrophen.

Bei seinem Kaltstart in die Regierungsverantwortung kann sich Krafts Kabinett auf den Beamtenapparat hinter den Kulissen verlassen. Denn nur wenige politische Beamte müssen bei einem Machtwechsel weichen. Die meisten Mitarbeiter bleiben an Bord und sorgen für die nötige Kontinuität in den Amtsgeschäften. Bei einer Katastrophe wie in Duisburg ist dies unverzichtbar.

Beim Bericht über den Ablauf der Tragödie verlässt sich Jäger auf Polizeiinspekteur Dieter Wehe. Er ist seit 2003 oberster Polizist der über 30 000 nordrhein-westfälischen Schutzpolizisten. Dennoch brach dem erfahrenen Beamten die Stimme weg, als er in der vergangenen Woche im Landtag von den erstickten jungen Besuchern der Loveparade berichtete. Am kommenden Mittwoch wird Wehe zusammen mit dem Minister in einer Sondersitzung des parlamentarischen Innenausschusses wieder Rede und Antwort stehen.

Die Ausrichtung des Gedenkgottesdienstes wurde von zahlreichen seit Jahren erprobten Kräften der Staatskanzlei gemanagt. So kann sich die Regierungschefin darauf konzentrieren, über zwei Tage mit Angehörigen der Todesopfer im In- und Ausland zu telefonieren und Briefe zu schreiben. Auch ihre Traueransprache verfasst Kraft überwiegend selbst, wird aus ihrem Umfeld berichtet. Vor dem Trauergottesdienst spricht sie im Beisein des Bundespräsidenten und der Kanzlerin mit den Angehörigen.

Langjährige Regierungsmitarbeiter, die Kraft und Jäger in den Tagen zwischen der Katastrophe und dem Trauergottesdienst begleiten, berichten von einem «unkomplizierten Umgang» ihrer neuen Chefs mit Angehörigen und schockierten Helfern. «So wie man es den Menschen aus dem Ruhrgebiet nachsagt.»

Ihren Urlaub hat Hannelore Kraft bis jetzt hintan gestellt. Nach monatelangem Wahlkampf, Sondierungs- und Koalitionsverhandlungen ist die 49-Jährige erst am Samstagabend nach dem Gedenkgottesdienst für ein paar Tage mit ihrer Familie ins Sauerland gefahren. In einer Sportschule sucht sie ein bisschen Normalität nach Monaten im Ausnahmezustand.

Notfälle / Loveparade
02.08.2010 · 21:51 Uhr
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