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Hannelore Kraft: Mit starken Nerven nach oben

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Düsseldorf (dpa) - «Frauen machen anders Politik - nicht besser oder schlechter.» So hat Hannelore Kraft einmal ihr Selbstverständnis umschrieben. Mit dieser anderen Art der Politik ist die 49-jährige Sozialdemokratin Ministerpräsidentin in Nordrhein-Westfalen geworden.

Anders als bei vielen Männern war zumindest Krafts Weg nach oben in der Politik. Die Mülheimerin schloss sich nicht irgendwelchen Seilschaften an und musste nicht auf die Ochsentour durch Ortsverein und Arbeitskreise. «Mit Hinterzimmer-Politik hatte ich nie viel am Hut», bekennt sie nicht ohne Stolz. Dennoch machte sie schnell Karriere. Wenn in der nordrhein-westfälischen SPD in den vergangenen Jahren wichtige Posten zu besetzen waren, gab es keine Alternative zu Kraft.

Krafts Nervenstärke bekam in den vergangenen Wochen ihr Vorgänger Jürgen Rüttgers zu spüren. Seine Überzeugung, der SPD-Chefin bleibe angesichts des Patts im Landtag gar nichts anderes übrig, als in eine große Koalition unter seiner Führung einzuwilligen, erwies sich als grobe Fehleinschätzung. Kraft manövrierte Rüttgers Schritt um Schritt aus. Die SPD folgte ihr in diesem Hin und Her zwischen großer Koalition, Opposition und Minderheitsregierung klaglos. «Ich bin stolz wie Bolle auf diese Partei«, lobte Kraft anschließend die Disziplin der Genossen.

Ihr Eintritt in die SPD 1994 war eine Reaktion auf die Niederlage der Sozialdemokraten bei der Kommunalwahl in ihrer Heimatstadt Mülheim. Nach nur wenigen Monaten in der Partei rückte sie schon in den Unterbezirksvorstand auf. Den Sprung in den Landtag schaffte sie 2000. Ein Jahr später war sie bereits Europaministerin. Später übernahm sie das Wissenschaftsressort.

Richtig los ging ihre Karriere aber erst nach dem Machtverlust der Sozialdemokraten bei der Landtagswahl 2005. Die verstörten Genossen machten die Diplom-Ökonomin erst zur Fraktions- und dann zur Landesvorsitzenden - als erste Frau in beiden Ämtern. Als SPD-Landeschefin scheute sich Kraft auch nicht, sich mit Parteigrößen wie Bundesfinanzminister Peer Steinbrück anzulegen. Dabei wurde es auch manchmal laut. Nach einer weiteren schweren SPD-Niederlage bei der Bundestagswahl 2009 ging der Aufstieg Krafts weiter - zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden.

Jetzt steht sie in einer Reihe mit dem legendären SPD-Ministerpräsidenten Johannes Rau. Dessen Talent zum Überbrücken gegensätzlicher Positionen will sie in den kommenden Monaten als Chefin einer Minderheitsregierung nacheifern. In ihrer kurzen Rede nach der Wahl begann sie schon einmal damit und forderte die anderen Fraktionen zur Mitarbeit auf - «aus Liebe zu Nordrhein-Westfalen».

Kraft stammt aus einfachen Verhältnissen. Ihr Vater war Straßenbahnfahrer, die Mutter Verkäuferin. Wenn sie am Rednerpult des Landtags lauter wird, ist deutlich zu hören, dass sie aus dem Ruhrgebiet stammt. Bevor Kraft in die Politik ging, arbeitete sie als Unternehmensberaterin. Mit Ehemann Udo und Sohn Jan wohnt sie in Mülheim an der Ruhr.

Regierung / Nordrhein-Westfalen
15.07.2010 · 08:13 Uhr
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