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Hamsterkäufe zum Abschied von der Glühbirne

GlühbirneGroßansicht
Düsseldorf (dpa) - Langsamer Abschied der Glühbirne: Die Energiesparlampe wird künftig in deutschen Wohnstuben leuchten. Laut einer EU-Verordnung sollen vom 1. September 2009 an matte und klare Glühlampen mit einer Leistung von mehr als 75 Watt vom Markt verschwinden.

Schrittweise werden bis zum Jahr 2012 auch alle anderen ineffizienten Glühbirnen aus dem Verkehr gezogen. Doch viele Verbraucher und Händler bejammern das Ende der Glühlampe als Untergang einer Industriekultur. Und so gibt es ein letztes Aufbäumen gegen den EU-verordneten Tod der Glühbirne. Vorratskäufe und Horten lautet die Devise. Einige Händler lauern gar auf neue Geschäfte.

Der Hauptverband des deutschen Einzelhandel (HDE) berichtet über höhere Absatzzahlen in der Branche. «Die Verbraucher greifen stark zu», sagt Ulrike Hörchens vom HDE. Dies seien aber keine «Hamsterkäufe», es gebe genügend Restbestände alter Glühbirnen. Bis die Regale leer seien, vergingen sicherlich einige Wochen, glaubt die Sprecherin. Auch die deutschen Baumärkte beobachten derzeit erhöhte Vorratskäufe von normalen Glühbirnen. «Wir können den gewünschten Wechsel auf Energiesparlampen nicht feststellen», sagt Saskia Driessen, Umweltexpertin des Baumarktverbandes (BHB).

«Weg von der Gemütlichkeit» ist Axel Noltes Kommentar zu den Auswirkungen des EU-Verbots. Der Geschäftsinhaber eines Düsseldorfer Beleuchtungsladens ist felsenfest davon überzeugt, dass die Lichtqualität sich mit den Energiesparlampen verschlechtern werde. Deshalb hat er sich vorsorglich mit Glühbirnen eingedeckt. Denn er wittert ein Zusatzgeschäft: So könnten die Preise für Glühbirnen, die von September an auf dem EU-Index stehen, nach seiner Schätzung um 20 bis 30 Prozent steigen. 3000 bis 4000 alte Glühbirnen hat Nolte bei sich im Laden gehortet.

Dass die Bundesbürger «alte Lampen auf Lager legen», könnte nach Einschätzung des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) auch daran liegen, dass die Verbraucher in Deutschland eine große Skepsis gegenüber «Neuem» haben. Auch die Verbraucherzentrale Bundesverband schüttelt den Kopf über die Hamsterkäufe. Die Vorteile der Energiesparlampen lägen doch auf der Hand, unterstreicht Peter Kafke, der energietechnische Referent der Verbraucherzentrale.

Die Einsparmöglichkeiten seien erheblich: Eine 15-Watt- Energiesparlampe reiche aus, um eine alte 60-Watt-Glühbirne zu ersetzen. Und Kafkes Kollege in Nordrhein-Westfalen rechnet vor, dass beim Ersetzen einer herkömmlichen 100-Watt-Glühbirne durch eine 20-Watt-Energiesparlampe rund 175 Euro an Stromkosten eingespart werden können.

Kritiker der Energiesparlampen führen indes mehrere Störfaktoren an: das geringe Lichtspektrum und die Helligkeit der Lämpchen. Eine Studie des Verlags Öko-Test von 2008 belegt zudem, dass die Lebensdauer der Energiesparlampen deutlich geringer ausfällt als angegeben. Verbraucherzentrale und ZVEI weisen die Einwände zurück: Verbraucher könnten zwischen verschiedenen Lichtfarben wählen, und die Hersteller arbeiteten daran, wärmere Lichtfarben auf den Markt zu bringen.

Beim Kauf der Energiesparlampen solle deshalb besonders auf Qualität geachtet werden, rät Kafke. Aber gute Energiesparlampen haben ihren Preis. So müssen die Verbraucher für eine Energiesparlampe nach seinen Worten im Schnitt 5 bis 8 Euro, also den zehnfachen Preis einer herkömmlichen Glühbirne bezahlen. Aber das sei eine gute Investition, betont der Verbraucherschützer. Denn die Energiesparlampen hätten eine Lebensdauer von 10 000 bis 14 000 Stunden. Die alte Glühbirne dagegen bringt es gerade einmal auf 1000 Stunden.

Die effizienten Glühbirnen sind aber nicht nur finanziell lukrativ, sondern vor allem klimafreundlich, betont das Bundesumweltministerium (BMU). In Deutschland könnten die Energiesparlampen bis zum Jahr 2015 den Stromverbrauch um rund 16 Terawattstunden reduzieren - das entspricht einer Leistung von 1,5 Atomkraftwerken.

Elektro / Energie / Umwelt
29.08.2009 · 12:57 Uhr
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