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«Hammerhart»: Rodler beten und trauern

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Whistler (dpa) - Bei einem Spaziergang in aller Einsamkeit suchte der deutsche Bundestrainer Norbert Loch Ablenkung, Österreichs Rodler beteten in einer Messe für den jungen Georgier.

Nach dem Unfalltod von Nodar Kumaritaschwili im Eiskanal von Whistler war den deutschen Rodlern die Vorfreude auf die Eröffnung der Winterspiele vergangen. «Jeder Sportler geht individuell damit um. Der eine kann sich ablenken, der andere hat diesen Unfall sicherlich im Hinterkopf», beschrieb der dreimalige Olympiasieger Georg Hackl die schwierige Situation für die Sportler, die nach vier Jahren der Vorbereitung stundenlang sogar mit einer Absage ihrer Rennen rechnen mussten.

«Das ist hammerhart», sagte Doppelsitzer-Olympiasieger Patric Leitner sichtlich betroffen von dem Unfall. Er mochte sich die Eröffnungsfeier auch nicht mehr im Deutschen Haus in Whistler ansehen. «Mir geht es nicht gut», erklärte der Routinier. «Und ich weiß gar nicht, wie gerade unsere Männer jetzt damit umgehen sollen.»

Vom Starthaus aus hatten Felix Loch, David Möller und Andi Langenhan den Unfall des direkt vor ihnen gestarteten 21-Jährigen Kumaritaschwili verfolgt. Nach dem Abbruch des Trainingslaufes verließen die Deutschen wie auch die anderen Athleten die Hochgeschwindigkeitsbahn. «Viele hatten Tränen in den Augen», beschrieb Leitner. Nach der Rückkehr ins olympische Dorf war Trauerarbeit angesagt: Bei einer Athletensitzung gedachten die Rodler aus aller Welt ihres gestorbenen Kollegen. Österreichs «Olympia- Kaplan» Pater Bernhard Maier versammelte seine Landsleute zu einer Messe.

Das deutsche Männer-Trio blieb am Eröffnungsabend im olympischen Dorf, versuchte sich im Kraftraum in Normalität zu üben. Bei der Eröffnungsfeier in Vancouver wollten die Medaillenhoffnungen Tatjana Hüfner, Natalie Geisenberger und Anke Wischnewski sowie Leitners Doppelsitzer-Partner Alexander Resch den Kopf frei bekommen.

Mit der ergreifenden Schweigeminute bei der Eröffnungsfeier nahmen auch die deutschen Rodler Abschied von dem jungen Georgier, die kanadische und die georgische Fahne sanken auf halbmast. «In größter und tiefster Traurigkeit nehmen wir zur Kenntnis, dass Nodar Kumaritaschwili heute beim Training in Whistler ums Leben gekommen ist. Unser Mitleid gilt seiner Familie, seinen Freunden und Landsleuten», versicherte Jacques Rogge, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Doch kaum brannte das olympische Feuer, galt bei den Rodlern wieder alle Aufmerksamkeit der Konzentration auf das Großereignis. Der Rodel-Weltverband FIL entschied, das Männer-Rennen wie geplant am Samstag und Sonntag durchzuführen. Später teilte er mit, dass nach ersten Erkenntnissen keine Mängel an der Bahn zum tragischen Unfall geführt hätten.

Andreas Trautvetter, Präsident des Bob- und Schlittenverbandes (BSD), richtete den Blick bereits nach vorne. «Das ist natürlich ein Schock auch für uns alle. Aber wir haben ein sehr gutes Team. Und unsere Trainer werden wissen, wie sie mit der Situation umzugehen haben.» Sportdirektor Thomas Schwab, langjähriger Bundestrainer, hat ebenso volles Vertrauen in seine jungen Athleten: «Unsere Sportler sind sehr, sehr professionell mit der Situation umgegangen.»

Chronik / Olympia / Vancouver / Rodeln / Unfälle
13.02.2010 · 21:46 Uhr
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