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Hamas bringt Gazastreifen wieder unter ihre Gewalt

Polizeimänner der Hamas bei einer Wagenkontrolle im Gazastreifen.Großansicht
Gaza/Tel Aviv (dpa) - Einen Tage nach den blutigen Gefechten mit einer extremistischen Gruppe von selbst ernannten Gotteskriegern hat die radikalislamische Hamas den Gazastreifen wieder unter ihre Gewalt gebracht.

Bei den schwersten innerpalästinensischen Kämpfen seit zwei Jahren sind nach Angaben der palästinensischen Menschenrechtsorganisation 28 Menschen getötet und weitere 100 verletzt worden. Unter den Opfern der stundenlangen Kämpfe in der Stadt Rafah im südlichen Gazastreifen befinden sich nach Angaben der Organisation vom Sonntag auch drei Zivilisten sowie sechs Hamas- Sicherheitskräfte.

Die Hamas hat nach den Kämpfen, die sich bis zum Samstagmorgen hinzogen, rund 100 Menschen festgenommen und das Gebiet um eine Moschee abgeriegelt. Unklar war weiterhin, ob sich der Führer der Gruppe Dschihad al-Salafi, der 47 Jahre alte Universitätsprofessor Scheich Abdel Latif Mussa - wie von der Hamas behauptet - mit einem Sprengstoffgürtel getötet hat oder aber an den Folgen eines Kopfschusses starb. Die Gruppe soll in Verbindung zum Terrornetzwerk El Kaida gestanden haben.

Die palästinensische Menschenrechtsorganisation verurteilte am Sonntag scharf den Gewaltausbruch sowie den Einsatz von Waffen. Zugleich missbilligte sie die Ausrufung eines «islamischen Emirats» durch eine ungesetzliche bewaffnete Gruppe. Nach Einschätzung von politischen Beobachtern hat die Hamas mit dem harten Vorgehen den Bewohnern des Gazastreifens signalisieren wollen, dass es keine Gnade für jene gibt, die ihre Herrschaft infrage stellen oder Recht und Ordnung verletzen.

Inzwischen ist auch der Hergang der Kämpfe weitgehend rekonstruiert. Nach einer Untersuchung der Menschenrechtsorganisation hat der Führer der Gruppe, Scheich Mussa, während des Freitagsgebetes in der Imam-Taimijah-Moschee von Rafah ein «islamisches Emirat» ausgerufen und die Gläubigen aufgefordert, ihm Gefolgschaft zu leisten. Er habe die Hamas als säkulare Bewegung beschimpft und dazu aufgerufen, sie zu bekämpfen.

Dutzende bewaffnete Kämpfer blieben den Angaben zufolge in der Moschee bis zum Nachmittagsgebet. Vor dem muslimischen Gotteshaus gingen vermummte, mit Kalaschnikow-Gewehren bewaffnete Mitglieder der Dschund Ansar Allah (Armee der Anhänger Gottes), dem bewaffneten Arm von Dschihad al-Salafi, in Stellung. Als sie von Sicherheitskräften der Hamas sowie von Mitgliedern der Hamas-Eliteeinheiten aufgefordert wurden, sich zu ergeben, eröffneten die Männer das Feuer. Die Hamas- Einheiten stürmten schließlich das Gebäude sowie das an die Moschee angrenzende Haus des Predigers, in dem er sich mit seinen Anhängern verschanzt hatte. Anschließend sprengten sie das Haus.

Innenministeriums-Sprecher Ihab al-Ghusseini machte Dschihad al- Salafi voll für die Zusammenstöße verantwortlich und warf der Gruppe Anschläge auf Hochzeitsgesellschaften und Cafes vor. Nach Darstellung des Sprechers soll die Gruppe auch in engem Kontakt zu Sicherheitskräften der von der rivalisierenden Fatah kontrollierten Autonomiebehörde im Westjordanland gestanden haben.

Konflikte / Nahost
16.08.2009 · 15:42 Uhr
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