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Haiti droht neue Tragödie - Schon 140 Cholera-Tote

Kinder sitzen in einer notdürftigen Unterkunft. Haiti droht eine Todeswelle durch verseuchtes Wasser.Großansicht

Port-au-Prince (dpa) - Die haitianische Regierung hat am Freitag den Ausbruch der Cholera im Land bestätigt. Damit droht Haiti neun Monate nach dem verheerenden Erdbeben eine neue Katastrophe. Etwa 140 Menschen sollen in dem ärmsten Land Amerikas bereits an der Durchfallerkrankung gestorben sein.

Rund 1500 Menschen im Gebiet Artibonite nördlich der Hauptstadt Port-au-Prince seien erkrankt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde eingeschaltet.

In Port-au-Prince begannen am Freitagmorgen hektische Beratungen bei den internationalen Hilfsorganisationen, die seit dem Erdbeben im Land sind. «In gerade mal 48 Stunden haben wir bereits 138 bestätigte Tote», sagte Imogen Wall, eine UN-Sprecherin. «Es ist eine beunruhigende Situation.» Die Cholera sei sehr gefährlich und für Haiti eigentlich untypisch. Eine Epidemie habe es in dem Land seit Jahrzehnten nicht gegeben.

Die Vereinten Nationen wollen mit Medizin und mehr Helfern gegen die Krankheit kämpfen. 300 000 Packungen Antibiotika und rund 10 000 Kisten mit Chlortabletten seien bereits in Haiti, sagte Catherine Bragg, stellvertretende UN-Nothilfekoordinatorin, am Freitag in New York. «Der Tod durch Cholera kann verhindert werden und wir tun alles, was wir können, um die Regierung von Haiti dabei zu unterstützen.»

Betroffen von der gefährlichen Erkrankung sind die Niederungen von Artibonite. Die Behörden vermuten, dass dort nach den Regenfällen der vergangenen Wochen Latrinen überliefen und das bakterienverseuchte Wasser in den Fluss Artibonite gelangte. In der Hafenstadt Saint-Marc werden den Angaben zufolge Menschen auf Plätzen notdürftig versorgt. Bei Durchfall und Cholera droht der Körper auszutrocknen, Infusionen sind dringend nötig.

Zunächst drang die Epidemie nicht zu den größten Flüchtlingslagern rund um und in der Hauptstadt vor. Sie gelten als besser versorgt als die verarmten ländlichen Gebiete und verfügen durch die internationale Hilfe über sauberes Trinkwasser. Dennoch warnten Helfer. Estrella Serrano von der Hilfsorganisation World Vision sagte: «Wenn die Krankheitswelle Port-au-Prince erreicht, wo Familien in überfüllten unhygienischen Lagern hausen, dann wird es verheerend.»

Bei dem Erdbeben am 12. Januar waren in Port-au-Prince und in der Umgebung über 220 000 Menschen getötet worden. Mehr als eine Million Menschen leben seither auf engstem Raum in Obdachlosenlagern. Sie sind bisher dank massiver internationaler Hilfe und dank einer relativ milden Hurrikan- und Regenzeit von weiteren Katastrophen verschont geblieben.

Gesundheit / Haiti
22.10.2010 · 20:21 Uhr
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