News
 

Guttenberg warnt vor Illusionen in Afghanistan

Karl-Theodor zu GuttenbergGroßansicht

Berlin/Kabul (dpa) - Nach dem schweren Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr in Nordafghanistan hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vor zu ehrgeizigen Zielen am Hindukusch gewarnt.

«Es kann nicht darum gehen, Luftschlössern hinterherzueilen und Illusionen zu bedienen, sondern die Ziele müssen erreichbar sein», sagte der CSU-Politiker am Freitag in Berlin. Er drang darauf, bereits im nächsten Jahr mit der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen zu beginnen und eine Abzugsperspektive für die Bundeswehr zu schaffen.

Bei einem Selbstmordanschlag in der Unruheprovinz Baghlan war am Donnerstag ein 26-jähriger Fallschirmjäger aus dem niedersächsischen Seedorf getötet worden. 14 deutsche Soldaten wurden verletzt, von denen aber keiner in Lebensgefahr war. Am Freitag wurde auch der Gouverneur von Kundus - der zweiten Unruheprovinz im Zuständigkeitsbereich der Bundeswehr - bei einem Bombenanschlag zusammen mit elf weiteren Menschen getötet. Der Sprengsatz explodierte in einer Moschee in der Nachbarprovinz Tachar während des Freitagsgebets.

Der internationale Afghanistan-Einsatz war am Donnerstag ins zehnte Jahr gegangen. Die von den Taliban angegriffene Patrouille gehörte zum «Ausbildungs- und Schutzbataillon», das seit Anfang August für die Ausbildung der afghanischen Armee in der Fläche und damit für die Umsetzung der zu Jahresanfang beschlossenen neuen Afghanistan-Strategie zuständig ist. Der Trupp sollte eine Panzerbrücke über den Baghlan-Fluss sichern.

Der Selbstmordattentäter kam aus einer Gruppe von Bauern, die auf einem benachbarten Feld arbeiteten. Er näherte sich den Soldaten und zündete eine mit Stahlkugeln gefüllte Sprengweste. Die Kugeln hatten eine solche Wucht, dass sie die Fenster und Türen eines gepanzerten Fahrzeugs vom Typ «Dingo» durchschlugen.

Nach dem Anschlag wurde die Patrouille mit Handwaffen und Mörsern angegriffen. Auch ein vier Kilometer entfernter Kontrollposten wurde attackiert. Die Bundeswehr forderte Luftunterstützung an, eine Mörserstellung der Taliban wurde bombardiert. «Nach jetzigem Stand hat es keine zivilen Opfer gegeben», sagte der Befehlshaber der Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalleutnant Rainer Glatz. Die Gefechte dauerten knapp sieben Stunden bis zur Dämmerung. Die meisten der 14 Verletzten wurden nur leicht verwundet.

Guttenberg sprach von einem «furchtbaren» und «hinterlistigen» Anschlag. «Der Einsatz in Afghanistan ist und bleibt höchst gefährlich», sagte er. «Ich habe wiederholt darauf verwiesen, dass es in Afghanistan weiter Verwundete und Gefallene geben kann. So bedrückend diese Aussage ist, so wichtig ist es weiter, hier auch in aller Offenheit darauf hinzuweisen.»

Die Erwartungen an den Einsatz hat Guttenberg inzwischen deutlich heruntergeschraubt. Ziel sei es, «ein erträgliches Maß an Sicherheit» in Afghanistan zu erreichen, damit die Gefährdung der internationalen Sicherheit möglichst gering gehalten werden könne. Zudem müsse man sich «ein erreichbares Maß an Entwicklung» vornehmen.

Es sei wichtig, bereits im nächsten Jahr mit der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen zu beginnen, betonte der Minister. Es müsse ein Prozess in Gang gebracht werden, «der dann auch eine entsprechende Abzugsperspektive für unsere Soldatinnen und Soldaten nach sich ziehen kann». Bis 2014 sollen die Afghanen wieder im ganzen Land eigenverantwortlich für Sicherheit sorgen.

An diesem Samstag wird eine Trauerfeier in Kundus für den getöteten Fallschirmjäger stattfinden. Anschließend soll der Leichnam über Usbekistan nach Deutschland überführt werden. Ob die Bundeswehr auch in Deutschland einen zentralen Gottesdienst abhalten wird, ist noch offen. «Die Angehörigen entscheiden, wie die Trauerfeierlichkeiten aussehen werden», sagte ein Brigade-Sprecher in Seedorf.

Konflikte / Bundeswehr / Afghanistan
08.10.2010 · 15:26 Uhr
[1 Kommentar]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
23.03.2017(Heute)
22.03.2017(Gestern)
21.03.2017(Di)
20.03.2017(Mo)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen