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Guttenberg verteidigt Afghanistan-Reise

Verteidigungsminister Guttenberg in AfghanistanGroßansicht

Berlin (dpa) - Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat sich gegen Kritik an seiner Reise nebst Ehefrau nach Afghanistan verteidigt. «Ich tue das, was ich für richtig halte, um den Soldaten hier im Einsatz die Anerkennung und die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die sie verdienen».

Das sagte er am Montag dem Internet- Portal «Spiegel Online». SPD, Grüne und Linke hatten dem Minister Selbstinszenierung auf Kosten der Soldaten vorgeworfen. Auch aus der FDP kamen kritische Töne.

Guttenberg hatte am Montag erstmals zusammen mit seiner Ehefrau Stephanie die deutschen Truppen in Afghanistan besucht. Er wurde von Fernsehmoderator Johannes B. Kerner begleitet, der mit Guttenberg im nordafghanischen Bundeswehr-Camp Masar-i-Scharif die Sat.1-Talksendung «Kerner» aufzeichnete. Nach Angaben der Bundesregierung geht die Mitreise der Minister-Gattin nicht zulasten des Steuerzahlers: Stephanie zu Guttenberg bezahle selbst.

SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte das Programm «absolut unangemessen». Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, sagte der in Halle erscheinenden «Mitteldeutschen Zeitung» (Dienstag): «Guttenberg nutzt die Bundeswehr als Kulisse und Dekoration für seine Inszenierungen. (...) So langsam geht ihm auch jegliches Gespür ab, wo die Grenzen sind.»

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles Nahles hielt Guttenberg im «Hamburger Abendblatt» (Dienstag) vor, er mache sich «immer mehr zum Staatsschauspieler». SPD-Fraktionsmanager Thomas Oppermann sagte der WAZ-Mediengruppe: «Taliban und Talkshows passen nicht zusammen.»

Grünen-Chefin Claudia Roth hielt Guttenberg vor, die vorweihnachtliche Kulisse in den deutschen Feldlagern in Masar-i- Scharif und Kundus «für plumpe Eigen-PR» zu nutzen. «Der extra eingeflogene Hofberichterstatter samt Fernsehstudio wird dabei für die gewünschte Verbreitung sorgen», sagte sie dem «Hamburger Abendblatt» (Dienstag).

Linken-Fraktionschef Gregor Gysi sagte dem Berliner «Tagesspiegel» (Dienstag): «Afghanistan ist das letzte Land, dass sich für Showbusiness und Entertainment eignet. Die ministerielle PR-Aktion mit Gattin und Talkshowtross verbessert weder die Lage im Land, noch macht sie den von der klaren Mehrheit der Deutschen abgelehnten Bundeswehreinsatz richtig.»

Die sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Elke Hoff, mahnte den Minister «zu größerer Zurückhaltung». «Gerade jetzt herrscht unter unseren Soldaten eine große Anspannung, denn zum einen steht der Kontingentwechsel an und zum anderen werden die Soldaten ständig in Gefechte verwickelt», sagte Hoff der in Bielefeld erscheinenden «Neuen Westfälischen» (Dienstag).

Rückendeckung erhielt Guttenberg vom Wehrbeauftragten des Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP). Er sehe «keinen Grund zur Empörung», sagte Königshaus dem SWR. Die Soldaten würden sich freuen, «dass der Minister nach Afghanistan kommt und deutlich macht, auch seine Familie steht dahinter». Auch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe zeigte sich überzeugt, dass die Soldatinnen und Soldaten sowie ihre Familien den Besuch auch der Frau des Ministers als Geste der menschlichen Solidarität verstünden. .

Guttenberg dankte Johannes B. Kerner für die Produktion der Talkshow. Dadurch werde «ein weiteres Stück Realität des Einsatzes der Bundeswehr» für die deutsche Bevölkerung sichtbar, sagte er «Spiegel Online». Das sei jahrelang zu kurz gekommen.

Konflikte / Bundeswehr / Afghanistan
14.12.2010 · 06:55 Uhr
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