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Guttenberg: Unter Umständen mit Taliban sprechen

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hält Gespräche mit gemäßigten Taliban unter Umständen für sinnvoll.Großansicht
Berlin (dpa) - Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) plädiert dafür, unter Umständen auch mit gemäßigten Taliban zu sprechen, um die Lage in Afghanistan zu stabilisieren.

«Nicht jeder Aufständische bedroht gleich die westliche Gemeinschaft», sagte er der «Welt am Sonntag» auf die Frage, ob Gesprächskanäle auch zu bestimmten Taliban-Gruppen errichtet werden müssten. Er sei dafür, zu Volksgruppen und Stämmen offene Kommunikationskanäle zu halten, solange man sich dadurch nicht selbst eine Falle stelle.

Guttenberg definierte, wie er sich gemäßigte Taliban vorstellt: «Es gibt Unterschiede zwischen Gruppen, die aus der radikalen Ablehnung des Westens die Bekämpfung unserer Kultur zum Ziel haben, und etwa solchen, die sich ihrer Kultur vor Ort verbunden sehen.» Das Abschneiden von jeglicher Kommunikation halte er «mittlerweile nicht mehr für allgemein gültig - allerdings müssen Kriterien gelten».

Guttenberg lehnte es ab, den Wunsch von US-Präsident Barack Obama nach einer Aufstockung des Afghanistan-Truppenkontingents widerspruchslos zu übernehmen: «Ich wäre vorsichtig mit dem Satz: Man muss Obama folgen. Wir sollten den Anspruch haben, eine Strategie anzustreben, die eigene Erfahrungswerte einbringt.»

Im Hinblick auf die Ende Januar in London tagende Afghanistan- Konferenz sagte der Verteidigungsminister: «Der erste logische Schritt eines neuen strategischen Ansatzes ist nicht der, dass man sagt: Wir nehmen jetzt mehr Soldaten, und dann folgt die Strategie. Wir formulieren jetzt die Strategie, und aus der folgt, wie viele Truppen und Zivilkräfte man braucht. Ob man mehr Soldaten braucht oder im bestehenden Rahmen zurechtkommt, ist noch offen.»

Der Minister kritisierte aus demselben Grund SPD-Chef Sigmar Gabriel. Zu dessen Ablehnung jeder Aufstockung des Bundeswehr-Kontingents für Afghanistan sagte Guttenberg: «Das hieße: Festlegung vor Strategie.»

Einen Rücktritt wegen der Informationspannen rund um den Luftschlag von Kundus Anfang September lehnte Guttenberg ab: «Ich messe die Rücktrittsforderungen an der Qualität der Vorwürfe. Es hat sich ja gezeigt, dass das alles wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt.»

Konflikte / Bundeswehr / Afghanistan
19.12.2009 · 21:21 Uhr
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