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Guttenberg soll bei Doktorarbeit abgekupfert haben

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Berlin (dpa) - Mögliche Schummeleien bei seiner Doktorarbeit bringen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg schwer in Bedrängnis. Der CSU-Politiker soll Textpassagen abgekupfert haben und muss um seinen Doktortitel bangen.

Damit wächst nach dem Wirbel um die Bundeswehr-Affären der politische Druck auf Deutschlands beliebtesten Politiker. Der 39-Jährige schließt Fehler beim Zitieren nicht aus, wehrt sich aber gegen den Plagiatsvorwurf.

In Guttenbergs Dissertation gibt es mehrere Passagen, die wörtlich mit Formulierungen anderer Autoren übereinstimmen, ohne dass er dies gekennzeichnet hat. Aufgeflogen ist alles durch Recherchen des Bremer Juraprofessors Andreas Fischer-Lescano, über die am Mittwoch die «Süddeutsche Zeitung» berichtete.

Die Doktorarbeit sei an mehreren Stellen «ein dreistes Plagiat» und «eine Täuschung», sagte der Rechtswissenschaftler.  In der Onlineausgabe der Wochenzeitung «Der Freitag» forderte er eine Aberkennung von Guttenbergs Doktortitel.

Guttenberg ließ mögliche Fehler offen. «Ich bin gerne bereit zu prüfen, ob bei über 1200 Fußnoten und 475 Seiten vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten und würde dies bei einer Neuauflage berücksichtigen», teilte er mit. «Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus.» Weiterer Kritik wollte er zuvorkommen: An der Dissertation hätten keine Mitarbeiter mitgewirkt.

Es soll sich um mindestens neun kopierte Textstellen handeln. Darunter sind eine längere Passage aus der «NZZ (Neue Zürcher Zeitung) am Sonntag» sowie Aufsätze. Für die Einleitung seiner Dissertation soll er nach Angaben von «FAZ.NET» fast wortwörtlich einen Text der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» von 1997 verwendet haben, der nur im Literaturverzeichnis aufgeführt sei.

Die Passauer Politikprofessorin Barbara Zehnpfennig, Autorin des «FAZ»-Artikels, kritisierte Guttenberg. Sie sagte dem «Handelsblatt» (Donnerstag): «Es ist einfach dumm, so etwas zu übernehmen.» Ein Rechtsexperte aus Münster fand einen weiteren Fall, berichtete die «Saarbrücker Zeitung» (Donnerstag).

Guttenbergs gab seine Doktorarbeit zum Thema «Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU» im Jahr 2006 an der juristischen Fakultät in Bayreuth ab. 2007 wurde er mit der Bestnote summa cum laude zum Dr. jur. promoviert.

Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios nutzte der damals einfache CSU-Abgeordnete Guttenberg zumindest indirekt auch den wissenschaftlichen Dienst des Bundestags für seine Arbeit. Er habe diesen für seine Parlamentarier-Tätigkeit mit Fachfragen beauftragt, wie dies viele Abgeordnete tun. Die Expertisen seien später teilweise aber auch in seine Dissertation eingeflossen, allerdings seien sie stets kenntlich gemacht worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich angesichts des Plagiatsvorwurfs gelassen. «Ich denke, der Verteidigungsminister und die Uni Bayreuth werden die Dinge klären», sagte die studierte Physikerin dem Radiosender NDR Info. «Auch meine Promotionsarbeit wurde schon begutachtet.»

Guttenbergs Doktorvater Professor Peter Häberle nahm den CSU-Politiker in Schutz. «Der Vorwurf ist absurd, die Arbeit ist kein Plagiat», sagte er der «Bild»-Zeitung (Donnerstag).

Der 39 Jahre alte Verteidigungsminister war vor wenigen Wochen unter Druck geraten, weil auf dem Segelschulschiff «Gorch Fock» chaotische Zustände nach dem Tod einer Kadettin geherrscht haben sollen. Dazu kamen ein mysteriöser Schießunfall in Afghanistan und geöffnete Feldpost.

Die Opposition nutzte die Vorwürfe zum Angriff auf Guttenberg. «Kein Politiker wird gezwungen, eine Doktorarbeit zu schreiben. Aber wer eine schreibt, muss korrekt zitieren», sagte der Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, «Spiegel Online».

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin kritisierte: «Guttenberg hat zum ersten Mal das Problem, dass er die Verantwortung auf keinen anderen abschieben kann.» Linksfraktionsvorsitzender Gregor Gysi sagte den «Lübecker Nachrichten» (Donnerstag): «Ich hoffe, dass das nicht stimmt. Wenn die Vorwürfe jedoch zutreffen sollten, dann müsste so etwas Konsequenzen haben.»

CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich sprach mit Blick auf den Plagiatsverdacht von einer «politischen Sauerei» und stellte sich vor Guttenberg. «Die Vorwürfe gegen den Bundesverteidigungsminister sind ein politisch motivierter Angriff von ganz Linksaußen. Es geht darum, einen erfolgreichen Politiker persönlich zu beschädigen.» Fischer-Lescano ist Kuratoriumsmitglied des Instituts Solidarische Moderne, zu dessen Spitze Politiker von Linker und SPD gehören.

Der Chefredakteur der «NZZ am Sonntag», Felix Müller, forderte eine Entschuldigung von Guttenberg. «Guttenberg schmückt sich mit fremden Federn», sagte Müller «Focus Online». Der Minister solle das zugeben. «In einem zweiten Schritt müsste er eigentlich zu uns kommen und sagen, dass es ihm leidtut.» Die Schweizer Journalistin Klara Obermüller, die den Artikel für die NZZ schrieb, findet Guttenbergs Verhalten «nicht sehr klug».

Verteidigung / Guttenberg
16.02.2011 · 22:27 Uhr
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