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Guttenberg begründet Plagiat mit Überforderung

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Bayreuth (dpa) - Massive Arbeitsbelastung und hohe Erwartungen der Familie: Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat die Plagiatsstellen in seiner Doktorarbeit mit Überforderung begründet.

Doch für die Universität Bayreuth steht fest: Der CSU-Politiker hat vorsätzlich getäuscht. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Abschlussbericht der Kommission «Selbstkontrolle in der Wissenschaft» hervor.

In seiner Stellungnahme für den Bericht versuchte Guttenberg den Eindruck zu erwecken, nicht vorsätzlich gehandelt zu haben. Er sprach von Fahrlässigkeit und Schlamperei in Folge von Dauerstress. Angesichts seiner beruflichen und politischen Arbeitsbelastung sei ihm die Arbeit «teilweise über den Kopf gewachsen». Er habe weder die Erwartungshaltung seiner Familie noch seinen Doktorvater enttäuschen wollen. «Ich wollte mir eine Schwäche nicht eingestehen», wird er zitiert.

Die Kommission kam aber zu dem Schluss, dass Guttenberg die Standards guter wissenschaftlicher Praxis grob verletzt und die Prüfungskommission vorsätzlich getäuscht hat. Fremde Texte seien in einem kaum vorstellbaren Ausmaß in allen Einzelheiten ohne Kennzeichnung der Autorenschaft übernommen worden. Dies deute auf ein bewusstes Vorgehen hin. Die Fälschungen durchzögen die Arbeit «als werkprägendes Arbeitsmuster».

Die Hochschule hatte Guttenberg bereits am 23. Februar den Doktortitel aberkannt. Am 1. März legte er sein Ministeramt nieder.

Die Staatsanwaltschaft in Hof ermittelt gegen ihn wegen Verstößen gegen das Urheberrecht. Dort liegen mehr als 100 Anzeigen vor. Zum Stand des Verfahrens wollte sich Oberstaatsanwalt Reiner Laib am Mittwoch nicht äußern. Für Juni kündigte er eine Zwischenbericht an. Dann werde er auch Auskunft geben, ob Strafanträge von Betroffenen vorliegen.

Der Vorsitzende der Universitätskommission, Prof. Stephan Rixen, sagte, Guttenbergs Argumentation sei durch die Fülle von Einzelplagiaten widerlegt. «Wer jahrelang akzeptiert, dass er Sorgfaltsstandards nicht einhält, handelt nicht fahrlässig, sondern vorsätzlich, weil er die Sorgfaltswidrigkeit zum bewussten Arbeitsstil erhebt», lautet das Fazit der Kommission.

Rixen betonte auf einer Pressekonferenz, dass über alle Teile der Arbeit hinweg Plagiate festgestellt worden. In der Anlage wurden 48 Fälle aufgelistet. «Angesichts der Fülle der Einzelplagiate kann man nicht mehr von bloßen Bagatellverstößen sprechen», heißt es in dem Bericht. Hinweise auf einen Ghostwriter bei der Doktorarbeit gab es nach Angaben der Universität aber nicht.

Uni-Präsident Prof. Rüdiger Bormann kündigte als Konsequenz aus dem Fall Guttenberg einheitliche Qualitätsmaßstäbe für Promotionsverfahren an. Die Hochschule werde schon bald die Abgabe einer eidesstattlichen Erklärung bei der Einreichung einer Doktorarbeit verlangen.

Nach Überzeugung der Selbstkontrollkommission trifft die Universität keine Mitverantwortung an der Plagiatsaffäre. «Die Regeln im Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten wurden eingehalten», sagte Rixen. Auch bei Guttenbergs Doktorvater, Prof. Peter Häberle, liege keine Verletzung der Aufsichtspflicht vor.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sieht im Ausgang der Plagiatsaffäre einen Beleg, «dass das Prinzip Selbstkontrolle in der Wissenschaft funktioniert». Die Universität Bayreuth habe die Vorwürfe konsequent verfolgt, sagte DFG-Präsident Matthias Kleiner der Nachrichtenagentur dpa.

Der ehemalige bayerische Wissenschaftsminister und CSU-Generalsekretär Thomas Goppel geht nicht von einer Rückkehr Guttenbergs in die Politik aus. «Das ist im Prinzip vorbei», sagte Goppel im Deutschlandfunk.

Die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin schweigt in der Plagiatsaffäre um ihre Doktorarbeit. Es gebe keine Stellungnahme, sagte ihr Sprecher in Brüssel. Laut «Tagesspiegel» will die Heidelberger Universität Koch-Mehrin den Doktortitel aberkennen. Grund seien mehrere festgestellte Plagiate. Die Uni prüft nach früheren Angaben die Vorwürfe noch.

Wissenschaft / Guttenberg
11.05.2011 · 18:50 Uhr
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