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Gut oder böse? - Wenn der Weihnachtsmann durch den Schornstein kackt

Der Streit um eine TV-Werbung erschüttert derzeit unsere österreichischen Nachbarn. In dem kurzen Streifen geht es um eine Flatrate. Der Weihnachtsmann prügelt das Christkind, knallt es mit voller Wucht gegen ein Regal. Gläubige Zuschauer finden das blasphemisch. Die für die Werbung verantwortliche Firma hat angekündigt, das Christkind dürfe in einem weiteren Spot den Weihnachtsmann zurückhauen. Als Lösung wird das augenscheinlich nicht von allen akzeptiert.

Davon abgesehen: Die österreichische Werbung ist nur ein Beweis dafür, dass der Herr mit dem weißen Bart nicht nur freundlich lächelt und Geschenke bringt. In Internetforen diskutieren traumatisierte Erwachsene über die Furcht vor dem Weihnachtsmann. Allein die Verkleidung sei furchteinflößend, meint ein User. Andere erinnern sich, wie unheimlich es gewesen sei, dass der Weihnachtsmann ihrer Kindheit in einem großen Buch alle Missetaten aufgezeichnet habe. Ein fremder Mann, der alles weiß - gruselig. Passend dazu kursiert im Netz eine ganze Sammlung von Fotos. Darauf sind weinende Kinder auf dem Schoß ratlos dreinblickender Weihnachtsmänner zu sehen.

Postkarten greifen das Motiv des bösen Weihnachtsmanns auf. Beispielsweise sitzt er auf einem Schornstein und kackt den Menschen ins Wohnzimmer.

Dietmar Bittrich ist einer der Autoren, der sich - augenzwinkernd - Gedanken über die dunkle Seite des Weihnachtsmanns macht. Ein Auszug aus dem Klapptext: «Er wirft Pakete in den Schornstein und vertauscht Geschenke. Die Kinder wundern sich. Die Eltern noch mehr. Den Morgenmantel, den die Frau ihrem Liebhaber schenken wollte, überreicht er ihrem Ehemann. Immer taucht er dort auf, wo es besonders feierlich zugehen soll. Klar, dass er nebenbei die falschen Weihnachtsmänner entlarvt. In Wahrheit hat es nie einen anderen als ihn, den bösen Weihnachtsmann, gegeben.»

Gewiss – es muss unterschieden werden zwischen dem Bösen im Film und in der Realität. Einen alles mordenden und wild um sich ballernden Weihnachtsmann wie im Zeichentrickstreifen Futurama muss die Welt nicht fürchten.

Aber: In Berlin versteckte sich tatsächlich Böses unter dem Kostüm. Auf einem Christmarkt reichte der Weihnachtsmann vergiftete Getränke. In Stockholm schlugen zwei Weihnachtsmänner einen Wachposten vor dem Schloss nieder und klauten ihm seine Dienstwaffe. Umgekehrt lag der Fall in Sizilien. Dort verhaftete ein als Weihnachtsmann getarnter Polizeibeamter einen mutmaßlichen Mafiosi.

Manchmal indes ist die Sichtweise entscheidend. Wie bei der Weihnachtswerbung von Coca-Cola, in der der Weihnachtsmann eine Schneekugel mit einer Miniaturwelt schüttelt. Das Original ist mit festlicher Musik unterlegt, der Mann mit dem Bart bringt den Menschen Glück. Eine andere Version zeigt das Video mit aggressivem Soundtrack – in der Schneekugel schlittern die Menschen plötzlich wie hilflose Puppen, die winterliche Glitzerwelt scheint mit einem Schlag düster.

[news.de] · 23.12.2011 · 10:48 Uhr
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