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Gully-Tat: Kassandra nicht mehr im Koma

KanalschachtGroßansicht
Velbert/Mettmann (dpa) - Die neunjährige Kassandra, die ein Unbekannter lebensgefährlich verletzt in einen Kanalschacht geworfen hat, liegt nicht mehr im künstlichen Koma. Das Kind sei aber noch nicht bei Bewusstsein, sagte ein Sprecher der Polizei im nordrhein-westfälischen Mettmann.

Es sei auch nicht absehbar, wann das Mädchen erwache und ob es sich dann an das Martyrium erinnern könne. Das Kind ist möglicherweise einziger Zeuge der Tat in Velbert bei Essen und wird rund um die Uhr im Krankenhaus durch Polizisten bewacht. Die Ermittler schließen nicht aus, dass Kassandra ihren Peiniger kannte.

Am Freitag rodeten etwa 60 Beamte Büsche und Bäume rund um den Kanalschacht und stellten «jeden Millimeter auf den Kopf», sagte der Sprecher. Am Mittag sammelte die Spurensicherung weiteres Material ein. Auch den Weg von dem Spieltreff, wo sich Kassandra bis unmittelbar vor dem Überfall aufhielt, zur nur wenige hundert Meter entfernten Wohnung ihrer Eltern gingen die Ermittler noch einmal ab. Bislang gebe es noch «keine heiße Spur», sagte der Polizeisprecher. Etwa 90 Beamte waren im Einsatz.

Polizisten gingen auch von Haus zu Haus, befragten Bewohner und verteilten im Ortsteil Neviges 500 DIN A4-große Zettel: «Mordversuch» ist darauf in roten Lettern zu lesen. Die Ermittler fragen nach Auffälligkeiten, nach möglichen Kontakt- und Begleitpersonen. Die mit mehr als 20 Mann ermittelnde Mordkommission «Tönisheider» erhofft sich davon den entscheidenden Hinweis auf den oder die Täter. Die Fahnder gehen davon aus, dass der Gesuchte Ortskenntnisse hat.

«Wir ermitteln in alle Richtungen», berichtete der Sprecher. So würden derzeit auch Zeugen befragt, die zur Tatzeit in der Nähe des Spieltreffs Kinderschreie gehört haben wollen. Ob es sich um Hilferufe der Drittklässlerin oder «normales Kindergeschrei» handelte, konnten die Kriminalisten noch nicht sagen. Aus ermittlungstaktischen Gründen machte die Polizei auch am Freitag keine Angaben darüber, ob der Täter Kassandras Körper in dem Abwasserschacht mit Steinen bedeckt und beschwert hatte.

Ein Unbekannter hatte Kassandra lebensgefährlich verletzt, in den dunklen, 1,50 Meter tiefen Schacht geworfen und den Gully mit dem rund 40 Kilogramm schweren Deckel verschlossen. Ein Spürhund hatte die grausam zugerichtete Neunjährige in der Nacht zu Dienstag gerade noch rechtzeitig in dem Schacht entdeckt. Kassandras Eltern hatten sie Stunden zuvor als vermisst gemeldet, nachdem sie nicht von dem Spieltreff nach Hause gekommen war.

Kriminalität / Kinder
18.09.2009 · 15:51 Uhr
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