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Guineas Juntachef von Bundeswehr ausgebildet

Junta-Chef CamaraGroßansicht
Nairobi/Conakry/Berlin (dpa) - Auch nach der blutigen Niederschlagung einer Demonstration Oppositioneller wollen die Gegner der Militärjunta im westafrikanischen Guinea ihre Proteste fortsetzen.

«Wir haben für einen Wandel gekämpft, jetzt können wir uns nicht zurückziehen», sagte einer der Oppositionsführer des Landes, Alpha Conde, am Mittwoch dem britischen Rundfunksender BBC.

Unterdessen bestätigte die Bundeswehr, dass Junta-Chef Oberst Moussa Camara insgesamt vier Jahre in Deutschland militärisch ausgebildet wurde. Schwerpunkt sei die Ausbildung zum Kompaniechef gewesen. Camara sei in der Zeit zwischen 1996 und 2005 an der Offiziersschule Dresden und an der Nachschubschule in Bremen gewesen. Deutsch habe er am Bundessprachenamt gelernt, sagte der Sprecher Sprecher des Verteidigungsministeriums am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin.

Am Montag waren nach Angaben von Menschenrechtsgruppen mindestens 157 Menschen getötet worden, als Sicherheitskräfte auf die rund 50 000 Teilnehmer einer zuvor verbotenen Demonstration schossen. Die Behörden sprechen dagegen von 57 Toten und bestreiten sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen, über die Augenzeugen berichtet hatten. Das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte hatte weltweit Entsetzen und Empörung ausgelöst. Das Auswärtige Amt in Berlin verlangte «rückhaltlose Aufklärung der Ereignisse sowie eine Bestrafung der Schuldigen» und bestellte am Dienstag den Geschäftsträger von Guineas Botschaft in Berlin ein.

Die Militärregierung verbot am Mittwoch weitere Demonstrationen und «subversive Versammlungen». «Unruhestifter» würden schwer bestraft, sagte Oberst Camara in einer Fernsehansprache. Zugleich ordnete er zwei nationale Trauertage an und kündigte eine Untersuchung der Gewalttätigkeiten an. Politische und religiöse Führer rief er auf, auf «Aktivitäten zu verzichten, die die öffentliche Ordnung stören können». Conde, der sich derzeit in den USA aufhält, kündigte eine Rückkehr nach Guinea an.

Das Militär hatte unter Führung des bis dahin weitgehend unbekannten Camara im Dezember 2008 nach dem Tod von Präsident Lansana Conte die Macht übernommen. Am 31. Januar kommenden Jahres sollen in Guinea Wahlen stattfinden. In den vergangenen Monaten gab es Hinweise, dass Camara das Präsidentenamt anstrebt.

Das ARD-Hörfunkstudio Nordwestafrika berichtete, der damalige Putsch sei «Le Putsch Allemand» (der deutsche Putsch) genannt worden, weil Camara ihn mit einigen Vertrauten auf Deutsch vorbereitet haben soll - einer Sprache, die außer ihm und seinen Vertrauten kaum jemand in Guinea spreche. An seinem roten Barrett stecke stets ein Abzeichen der deutschen Fallschirmspringer. Bei einer Fernsehdiskussion habe Camara kürzlich gesagt: «Ich habe in Deutschland meine Grundausbildung gemacht! Gruppenführer! Zugführer! Fallschirmspringerlehrgang! Wenn ich nach Deutschland zurückkehre, werde ich das als Präsident tun. Die Bundeskanzlerin soll mich empfangen - das ist das Mindeste, was ich an Respekt erwarte!»

Konflikte / Innenpolitik / Guinea
30.09.2009 · 16:02 Uhr
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