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Grüner Pfeil, Nudossi und Co: Ost-Relikte im Westen

Der Grüne Pfeil kann seit 1994 auch in den alten Bundesländern eingesetzt werden.Großansicht
Berlin (dpa) - 20 Jahre nach dem Mauerfall sind die Spuren der deutsch-deutschen Teilung beinahe verschwunden und der Alltag der DDR fast nicht mehr zu spüren. Doch das stimmt nicht ganz. Denn auch heute gibt es noch zahlreiche Dinge, die einst fest zur DDR gehörten - sogar im Westen.

GRÜNER PFEIL: «An einer roten Ampel muss ich immer stehen bleiben.» Das zumindest haben westdeutsche Autofahrer lange Zeit gelernt. Unter dem Einfluss Ostdeutschlands gilt das allerdings nicht mehr so absolut. Grund dafür ist der Grüne Pfeil. Denn die aus der DDR stammende Verkehrsregel kann seit 1994 auch in den alten Bundesländern eingesetzt werden. Das bedeutet: Ist neben der Ampel ein Grüner Pfeil angebracht, können Autofahrer auch bei «Rot» rechts abbieten. Allerdings darf der Pfeil nicht an allen Straßen stehen. An Kreuzungen, an denen es oft kracht, sind Grüne Pfeile beispielsweise ebenso tabu wie bei Ampeln, die Schulwege sichern sollen.

SANDMANN: Fast jedes Kind kennt den allabendlichen Ohrwurm: «Sandmann, lieber Sandmann, es ist noch nicht so weit!». Schließlich schickt das Sandmännchen mit dem schlohweißen Bart und meist roter Mütze seit fast 50 Jahren die Kinder in Ostdeutschland in den Schlaf - und seit der Wende vermehrt auch im Westen. Derzeit lockt der Traumbringer täglich sogar rund 1,5 Millionen Kinder vor den Bildschirm. Damit aber nicht genug: Etwa Ende des Jahres ist der 24 Zentimeter kleine Sandmann erstmals in einem Kino-Trickfilm zu sehen.

LEBENSMITTEL: Auch in den Supermarktregalen des Westens werden regelmäßig zahlreiche kulinarische DDR-Relikte einsortiert. Dazu gehören zum Beispiel Spreewaldgurken, Rotkäppchen Sekt, Bautzner Senf und das Pflaumenmus mit blau-weißem Deckel. Doch auch Knusperflocken, Hallorenkugeln mit Schoko-Überzug und die Nutella-Konkurrenz Nudossi haben Anhänger im Westen gefunden.

ABITUR NACH ZWÖLF JAHREN: Während die Mädchen und Jungen in der DDR ihr Abitur bereits nach zwölf Jahren in der Tasche hatten, mussten sie in Westdeutschland dafür dreizehn Jahre lang die Schulbank drücken. Nach einer grundlegenden Reform durch die Kultusministerkonferenz hat sich nun aber in fast in allen Ländern das «Turbo-Abi» nach zwölf Jahren durchgesetzt.

MEISSENER PORZELLAN: Meissener Porzellan gilt seit der Gründung der Manufaktur 1710 als das edelste unter den feinen Porzellanen der Welt. Sein Markenzeichen sind die gekreuzten Schwerter. Schon in der DDR wurde die «VEB Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen» zu einem wichtigen Devisenbringer. Seit der Wende verkauft die Porzellan- Manufaktur Meissen ihre gekreuzten Schwerter nicht nur an westdeutsche Familien, sondern sogar bis nach Japan.

MUSIK UND FILM: In der Musikbranche sind noch mehrere ostdeutsche Helden aktiv: Die Puhdys gehörten zu den bekanntesten DDR-Rockbands und feiern in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen. Die Band Karat («Über sieben Brücken musst du gehn») ist ebenfalls noch immer im Geschäft. Gunther Emmerlich arbeitet weiterhin als Opernsänger und Moderator. Auch im deutschen Kino sind noch heute östliche Einflüsse zu spüren, wenn auch nicht so deutlich. Dazu gehören zum einen Filmklassiker wie «Die Legende von Paul und Paula» sowie die traditionellen Filmstudios Potsdam-Babelsberg für internationale Neuproduktionen. Unter den Regisseuren hat sich der in Gera geborene Andreas Dresen mit Werken wie «Halbe Treppe» und «Sommer vorm Balkon» etabliert.

SPRACHE: «Wir treffen uns um Viertel Drei.» Diese für westdeutsche Ohren zunächst verwirrend klingende Zeitangabe hält sich ebenfalls. Schließlich schwören ihre Verfechter auf die logische Zeiteinteilung. «Viertel Drei» heißt, dass die dritte Stunde zu einem Viertel vorbei ist - es ist also Viertel nach Zwei. Einfacher ist es mit der Ost- Beschreibung für Gartenlaube («Datsche») und dem Grillhähnchen («Broiler»). Auch «Bückware» wird als Bezeichnung für Mangelware, die nur unter der Ladentheke zu haben ist, weiter gebraucht.

POLIKLINIKEN: In Polikliniken finden Patienten unter einem Dach gleich verschiedene Fachärzte. In der DDR war diese Form ambulanter ärztlicher Behandlung weit verbreitet. Nach der Wiedervereinigung wurde oft darauf gedrängt, die Polikliniken zu schließen, um die Existenz von Einzelpraxen niedergelassener Ärzte zu sichern. Dennoch gibt es in mehreren Städten weiterhin mehrere Privatpraxen unter einem Dach. Diese werden allerdings meist Ärztehaus genannt.

Geschichte / Deutschland
08.11.2009 · 13:53 Uhr
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