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Grüne sehen sich auf Augenhöhe mit der SPD

Künast und RothGroßansicht

Berlin (dpa) - Die Grünen haben auch nach wochenlangem Umfragehoch einer eigenen Kanzlerkandidatur eine Absage erteilt. Dennoch sehen sich die Grünen auf gleicher Augenhöhe mit SPD und Union.

«Wir werden nicht den Fehler wiederholen, den eine andere Partei gemacht hat, die trunken von lauter tollen Umfragen einen Kanzlerkandidaten ausrief und sich Zahlen auf die Schuhsohlen malte», sagte Fraktionschef Jürgen Trittin der «Bild am Sonntag» mit Blick auf die FDP.

Die Sozialdemokraten sollten sich nun in aller Ruhe an ein ebenbürtiges Verhältnis gewöhnen, sagte Parteichefin Claudia Roth der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. «Es wäre gut, wenn die SPD nicht beleidigt reagiert, sondern anerkennt, was die Grünen stark macht und ausmacht.» Zugleich zeigte sich die Parteichefin selbstbewusst gegenüber der CDU/CSU: «Wir nehmen die Gegnerschaft auf Augenhöhe mit der Union an.»

Roth begrüßte die Ankündigung der baden-württembergischen SPD, notfalls als Juniorpartner eine Koalition einzugehen, als «ein gutes Signal». Hier werden Landtagsfraktionschef Winfried Kretschmann die größten Chancen eingeräumt, nach der Wahl im März den CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus abzulösen. Roth kritisierte, dass Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und andere SPD- Politiker sich bislang ungeachtet der Realitäten nicht davon gelöst hätten, die SPD vor den Grünen zu sehen. Laut Umfragen hätte Fraktionschefin Renate Künast in Berlin gute Chancen, Wowereit zu beerben.

Künast hat sich noch nicht erklärt, gab aber nun eine Marschroute für den Berliner Wahlkampf aus. Die Grünen würden «in Berlin keinen Wahlkampf machen, der dazu führt, dass die CDU als denkbarer Partner von vornherein ausfällt», sagte sie der «Leipziger Volkszeitung» (Montag). «Mit der SPD kann man sich das am ehesten vorstellen.» Aber nur mit einem offenen Wahlkampf bleibe man verhandlungsfähig, betonte Künast.

In Baden-Württemberg ist nach Roths Worten noch nicht ausgemacht, dass Kretschmann als Ministerpräsident kandidiert. Sie unterstütze den dortigen Fraktionschef darin, sich zunächst weiter für die Verhinderung des Bahnhofneubaus in Stuttgart einzusetzen, anstatt jetzt über eine Regierungsbildung nach der Landtagswahl zu spekulieren.

Die Grünen sind bemüht, die Debatte über ihr Umfragehoch nicht ausufern zu lassen. «Wir bleiben auf dem Teppich und sorgen dafür, dass der Teppich Bodenkontakt hält», sagte Künast der dpa. Nach dem jüngsten Deutschlandtrend der ARD kämen die Grünen auf 21 Prozent, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre. Das ist der höchste Wert, der jemals für sie gemessen wurde. Trittin sagte: «Die Umfragewerte begreifen wir als Arbeitsauftrag.»

Roth meinte: «Wir wollen nicht Umfragemeister sein, sondern wir wissen ganz genau, wie hart es sein wird und wie groß der Gegenwind sein wird, wenn wir die Umfragewerte in Wahlerfolgen verstetigen.» Auf ihrem Parteitag im November wolle die Partei konkrete inhaltliche Arbeit für die künftige Energie- und Kommunalpolitik leisten.

Parteien / Grüne
17.10.2010 · 12:27 Uhr
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