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Großrazzia: GSG 9 stürmt Haus von Rocker-Boss

Die Polizeiaktion richtet sich besonders gegen Mitglieder des seit Januar verbotenen Kieler Chapters der «Hells Angels». Foto: Markus Scholz

Hannover (dpa) - Mit einem gewaltigen Aufgebot von 1200 Beamten und dem Einsatz der Spezialeinheit GSG 9 hat die Polizei in Norddeutschland Stützpunkte des Rockerclubs Hells Angels durchsucht. Schwerpunkt des Großeinsatzes gegen die Rockerkriminalität war der Raum Kiel.

In Niedersachsen stürmten GSG-9-Beamte das Privathaus von Hannovers Hells-Angels-Boss Frank Hanebuth. Polizisten seilten sich von einem Hubschrauber ab. Fünf führende Mitglieder der verbotenen Kieler «Hells Angels» wurden verhaftet, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft in Kiel.

Gegen zwei weitere Mitglieder des Chapters, die bereits in Haft saßen, wurden weitere Haftbefehle ausgestellt. Die Vorwürfe: Menschenhandel, Korruption, Körperverletzung und Waffenhandel - auch mit Rechtsradikalen. Insgesamt führt die Staatsanwaltschaft 194 Ermittlungsverfahren gegen 69 Beschuldigte.

Ein Mitarbeiter des Justizvollzugsdienstes, einer der Stadt Kiel und ein Polizist sollen gegen Geld Informationen an Hells Angels in Kiel herausgegeben haben. Die Ermittler bestätigten, dass bei der Razzia auch nach dem seit zwei Jahren vermissten Türken Tekin Bicer (47) aus Kiel-Gaarden gesucht wurde. Die Polizei geht von einem Verbrechen aus. In einer Lagerhalle in Altenholz wurde mit Spürhunden nach Bicer gesucht.

Am frühen Morgen seilten sich GSG-9-Beamte von einem Hubschrauber auf das Gelände des Hauses von Hannovers Rocker-Boss Hanebuth ab. Ihm wird vorgeworfen, von den Delikten gewusst oder sie sogar angestiftet zu haben. Sein Mandant habe damit nichts zu tun, er kenne die Leute gar nicht, betonte dagegen Hanebuths Anwalt Götz von Fromberg. «Der erste Zugriff war sehr massiv und unverhältnismäßig», kritisierte von Fromberg. So sei auch Hanebuths Hund erschossen worden. Der hannoversche Hells-Angels-Chef gilt in Ermittlerkreisen als einer der einflussreichsten Rocker-Bosse bundesweit.

Im November hatte Hanebuth angekündigt, sich aus Hannovers Rotlichtviertel am Steintor zurückzuziehen. Die Polizei will ein Verbot der Hells Angels in der niedersächsischen Landeshauptstadt erreichen. «Wir arbeiten daran, Erkenntnisse zu einem Verbot der Angels in Niedersachsen beizutragen. Es ist auch erklärtes Ziel des Innenministers, zu einem Verbot zu kommen, wenn die rechtlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind», sagte Hannovers Polizei-Vizepräsident Thomas Rochell im dpa-Interview.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zeigte sich skeptisch gegenüber einem generellen Verbot der Hells Angels oder vergleichbarer Rockerbanden. Den «Kieler Nachrichten» (Freitagausgabe) sagte er mit Blick auf die Großeinsätze vom Donnerstag in Kiel und Hannover: «Wenn man eine Vereinigung verbieten will, muss es eine hinreichend verfestigte Struktur geben. Man kann ja nicht einfach Menschen verbieten.» Der Bundesinnenminister erinnerte aber daran, dass örtliche Verbote von Rockerbanden «im großen Stil» in Deutschland stattfänden.

Die Hells Angels mit ihrem Emblem des geflügelten Totenkopfes gelten als mitgliederstärkster Rockerclub der Welt. Sie waren in der Vergangenheit in Deutschland immer wieder wegen Verbrechen, brutalen Konkurrenzkämpfen gegen andere Rockerbanden oder wegen Verboten ihrer Chapter in die Schlagzeilen geraten.

Kriminalität
24.05.2012 · 19:30 Uhr
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