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«Großmaul» Rooney schweigt

Englands Stürmer Wayne Rooney verletzte sich gegen Slowenien am Knöchel.Großansicht
Port Elizabeth (dpa) - Das «Großmaul» zog es vor zu schyweigen. Wayne Rooney wich den Blicken aus, schlängelte sich in der Interview-Zone an den Mitspielern vorbei und verweigerte jegliche Auskunft.

Eine Dame vom englischen Verband schirmte den grimmigen Superstar in der Krise nach dem dritten schwachen Spiel ab und geleitete ihn zum Bus. Dieses vielsagende Schweigen war für die englischen Reporter mindestens so enttäuschend wie Rooneys Auftritt aus dem Rasen.

Rooney sucht vor dem Knüller gegen Deutschland seine Form - und findet in den Heimatblättern nur wenig schmeichelhafte Kommentare und schlechte Noten. Nur wegen seiner Knöchelblessur ging der Boulevard, der ihn bereits als «Pitbull-Primadonna» verspottet hatte, nach dem 1:0-Sieg gegen Slowenien ein bisschen pfleglicher mit dem schwächelnden Torjäger um. Die Freude über den doch noch geglückten Einzug in die K.o.-Runde stand im Vordergrund. Und die Sorge, ob Rooney denn überhaupt fit ist für das Dauer-Duell mit der DFB-Elf.

Das Sprunggelenk tut weh, doch der bullige Angreifer will gegen den Lieblingsgegner dabei sein. «Mein Knöchel wird schon okay sein», will die «Sun» von Rooney erfahren haben. «Wegen seines Knöchels war Wayne nicht so gut», sagte Trainer Fabio Capello und nahm seinen Schützling in Schutz: «Er hatte ein paar Probleme, daher habe ich ihn ausgewechselt.»

Ob der Stürmer von Manchester United in der derzeitigen Verfassung ein Verlust für das Team wäre, ist ein ganz andere Frage. Ein Pfostenknaller, das war alles, was er gegen Slowenien zustande brachte. Von den kraftstrotzenden Dribblings und den wuchtigen Schüssen war sonst nichts zu sehen. Der Millionen-Mann, der in der abgelaufenen Saison 26 Liga-Tore in 32 Spielen erzielte, blieb immer wieder an den Mittelklasse-Verteidigern der Slowenen hängen.

«Wayne hat einige Kritik einstecken müssen, aber er hat seine Socken durchgerannt und seine Qualität gezeigt», sagte Kapitän Steven Gerrard und versicherte: «Tore von ihm liegen in der Luft.»

Vor ein paar Tagen war Rooney noch weniger kleinlaut als nach dem Slowenien-Match und nahm Deutschland ins Visier. «Es wäre schön, sie zu schlagen», hatte der englische Stürmer getönt. Und bei der «Sun» erscheint er als Großmaul, das forderte: «Bringt mir die Deutschen. Ich will sie raushauen!»

Dennoch, auch der Trainer hat erkannt: «Rooney spielt nicht wie Rooney.» Er attestierte ihm ein «Kopfproblem». Gemeint sind vor allem die großen Erwartungen, die ihn zu lähmen scheinen. Zudem bereitet Rooney das WM-Leben Probleme. «Herumsitzen, im Bett liegen um zwei am Nachmittag, das ist einfach langweilig», hatte der aggressive Angreifer nach dem ersten seiner drei schwachen Spiele gestöhnt: «Ich bin frustriert im Hotel, es ist schrecklich.»

Capello selbst hat bislang keine gute WM-Erfahrung mit Deutschland gemacht. 1974 spielte der Italiener mit der «Squadra Azzurra» bei der Weltmeisterschaft in der Bundesrepublik und erlebte eines der größten Debakel in Italiens WM-Geschichte: Die «Azzurri» schieden nach einer 1:2-Niederlage im letzten Vorrundenspiel gegen Polen schon nach der Gruppenphase aus. Mittelfeldspieler Capello erzielte in der 85. Minute in Stuttgart den letztlich wertlosen Anschlusstreffer.

Nun will der 64-jährige Italiener seine schlechte WM-Erfahrung mit den Deutschen korrigieren. Statt an sein deutsches WM-Debakel von 1974 wird sich Capello vor dem Klassiker lieber an den November 2008 erinnern. Damals gewann er mit England ein Freundschaftsspiel gegen Deutschland in Berlin mit 2:1.

Die «Daily Mail» schrieb am Tag nach dem Sprung ins Achtelfinale: «Wir warten immer noch auf den echten Wayne Rooney.» Es ist deutlich, dass er in der derzeitigen Form keine Hilfe, sondern eher ein Hemmnis ist. Sein Heim-Trainer Alex Ferguson riet ihm bereits dringend: «Entspann Dich und genieß es.» Aber Entspanntheit passt irgendwie überhaupt nicht zu Rooney.

Fußball / WM / England
25.06.2010 · 06:49 Uhr
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