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Großdemonstration nimmt Nato-Gipfel ins Visier

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Chicago (dpa) - Massenprotest gegen den bisher größten Nato-Gipfel: Viele tausend Aktivisten haben am Sonntag mitten im Zentrum der Millionenstadt Chicago gegen Krieg und Nato-Politik demonstriert.

Das gemeinsame Motto der verschiedensten Protestgruppen mit hunderten Plakaten und US-Flaggen: «Sagt Nein zur Nato-Agenda von Krieg und Armut!»

Parallel begann unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen das Nato-Treffen in einem streng abgeschirmten Hallenkomplex im Süden des Zentrums. Die abgesperrten Sicherheitszone rund ums McCormick-Center nahmen auch die Demonstranten ins Visier. Dort wollten Veteranen des Afghanistankrieges in Uniform aus Protest ihre Orden zurückgeben.

Gitter, Betonsperren und schwer bewaffnete Polizei sicherten das Gelände. Helikopter überwachten den Luftraum. Boote der Küstenwache mit Maschinengewehren kontrollierten die Ufer des Lake Michigan.

Über dem riesigen See zogen nach warmen Frühsommertagen schwere Regenwolken auf. Die Organisatoren auch der Occupy-Bewegung erhofften sich dennoch Zehntausende Teilnehmer. Barack Obama hielt hier im Grant Park, am Startpunkt der Massendemo, vor rund vier Jahren noch in der Wahlnacht seine Rede als künftiger US-Präsident.

Rund 3000 Beamte sind in Chicago im Einsatz, auch berittene Polizei. In den Hochhausschluchten warten Hundertschaften von Spezialkräften in Kampfausrüstung. Befürchtungen löst besonders der schwarze Block vermummter und oft gewaltbereiter Aktivisten aus. Am Rande der Massen war Kinderärztin Karin Kreiling (42) besorgt: «Die werden etwas provozieren.»

Auf Protestschildern warfen Demonstranten der Nato vor: «Töte eine Person - und es ist Mord. Töte Hunderttausende - und es ist Außenpolitik!» Der 30-jährige Industriearbeiter Wes Hadem schimpft: «Sie marschieren in den Irak ein und danach kommen Konzerne und verdienen Milliarden.»

«Redefreiheit macht unser Land besser», ist Unternehmer und Familienvater Paul Golden am Straßenrand überzeugt. So wie Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen wenige Kilometer entfernt bei der Nato: «Freie Meinungsäußerung ist ein fundamentaler Wert.» Auch Demos. Er erwarte aber, dass sie friedlich verliefen.

Doch immer wieder kam es schon vor dem Gipfel zu kleineren Zusammenstößen. Die Demonstranten spielten in mehreren Protestzügen mit der Polizei Katz und Maus, versuchten Einsatzwagen lahmzulegen. Die Polizei berichtete von einigen Verletzten und Festnahmen in der Nacht zum Sonntag.

Die Sicherheitskräfte vereitelten nach eigenen Angaben mehrere geplante Brandanschläge unter anderem auf ein Wahlkampfbüro von US-Präsident Barack Obama. Fünf junge Männer stehen inzwischen unter Terrorverdacht. Bei den Festgenommenen seien Brandsätze und Waffen gefunden worden.

Das Nato-Treffen dauert bis Montag. Einige Regierungschefs wie Bundeskanzlerin Angela Merkel kamen direkt vom Gipfel der acht führenden Industrienationen (G8) in Camp David bei Washington. US-Präsident Barack Obama hatte den zunächst ebenfalls für Chicago geplanten G8-Gipfel auch wegen der Proteste an seinen Landsitz Camp David verlegt.

Nato / Gipfel
20.05.2012 · 20:42 Uhr
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