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Großdemo gegen Berlusconis «Medien-Maulkorb»

Franco Siddim vom Journalistenverband FNSI  bei der Großdemonstration in Rom.Großansicht
Rom (dpa) - Zehntausende von Journalisten, Gewerkschaftern und besorgten Bürgern haben in Rom für die Medienfreiheit und gegen «Einschüchterungsversuche» durch Silvio Berlusconi demonstriert.

Die Demonstranten warfen dem italienischen Ministerpräsidenten vor, eine kritische und offene Berichterstattung über sein pikantes Privatleben unterdrücken zu wollen. «Nein zum Informations-Maulkorb», so lautete einer der Slogans auf der Kundgebung am Samstag, zu der der nationale Journalistenverband FNSI aufgerufen hatte. Nach seinen Angaben beteiligten sich rund 300 000 Menschen an der Protestaktion gegen «Medien-Knebelung», die römische Polizei zählte dagegen 60 000. Berlusconi tat die Kundgebung als «absolute Farce» ab, die Medien in Italien seien frei.

Auslöser der Proteste waren die Schadensersatzforderungen, mit denen der konservative Berlusconi gegen die linken Zeitungen «La Repubblica» und «L'Unità» wegen der kritischen Berichterstattung über seine angeblichen Sex-Affären und wilden Feste vorgeht. Beide Blätter sollen dem Regierungschef Schadenersatz in Millionenhöhe zahlen, was Journalisten als Versuch anprangern, sie zum Schweigen zu bringen. Sie werden in einer Welle der Solidarität von etlichen Kulturschaffenden und Intellektuellen unterstützt. So stellten sich unter anderen die Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass, Doris Lessing und Elfriede Jelinek hinter diese Zeitungen und traten für Meinungsfreiheit ein.

Wie andere europäische Organisationen begrüßte auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) die Anti-Berlusconi-Protestaktion. «Die ständigen Versuche Berlusconis, Presse und Rundfunk gefügig zu machen, sind mit den Grundprinzipien von Meinungsfreiheit und Demokratie nicht vereinbar», kritisierte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. Auch in anderen europäischen Hauptstädten wie Paris und London gab es - kleinere - Aktionen gegen eine Einflussnahme des Medienzars auf die Presse und das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Italien.

Regierung / Medien / Italien
04.10.2009 · 10:34 Uhr
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