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Griechenland bittet «Liebe Deutsche» um Solidarität

Der griechische Parlamentspräsident Philippos Petsalnikos wirbt um deutsche Unterstützung. (Archivbild)
Hamburg (dpa) - In einem offenen Brief an die «Lieben Deutschen» bittet der griechische Parlamentspräsident Philippos Petsalnikos um Hilfe in der dramatischen Haushaltskrise seines Landes. Dabei gehe es aber nicht um Geld, sondern um Solidarität und um eine faire Darstellung der griechischen Probleme.

«Wir Griechen erwarten nicht, dass die Deutschen uns "retten". Diese Aufgabe haben wir uns zunächst einmal selbst gestellt», schreibt Petsalnikos in dem im Magazin «Stern» (Donnerstag) veröffentlichten Brief. «Nicht Euer Geld, sondern Eure Solidarität und Eure Unterstützung braucht Griechenland, um die Angriffe der internationalen Spekulanten abwehren zu können. Wenn Griechenland ihnen zum Opfer fällt, ist es ein erster Dominostein.»

Der griechische Politiker beklagt sich darüber, dass vor allem in deutschen Medien mit «Unsachlichkeiten und fatalen Vereinfachungen» über Griechenland berichtet werde, die auf den Nenner hinausliefen: «Wir Deutschen zahlen, und ihr Griechen kassiert». Petsalnikos wies darauf hin, dass die Griechen mit allen Europäern Deutschland bei der Bewältigung der deutschen Einheit geholfen hätten. Außerdem habe Deutschland enorm von der Schaffung des EU-Binnenmarktes profitiert.

Griechenland ist von der EU auf beispiellose Weise unter Aufsicht gestellt worden und muss sein riesiges Defizit bis Ende 2012 drastisch reduzieren. Derzeit sind Hilfsaktionen seitens der Europäischen Union oder einzelner Euro-Länder - obwohl laut EU- Vertrag verboten - im Gespräch.

Bereits 2004 war herausgekommen, dass sich Athen mit frisierten Zahlen den Beitritt zur Eurozone erschwindelt hatte. Auch in der aktuellen Krise steht der Vorwurf der Verschleierung des enorm ausufernden Staatsdefizits im Raum. In den vergangenen Wochen hatte es speziell zwischen Deutschland und Griechenland Verstimmungen gegeben, zuletzt versuchte Athen, die Wogen wieder zu glätten.

Petsalnikos wies darauf hin, dass nicht nur Griechenland unter enormen Haushaltsdefiziten leide. «Abgesehen davon sind wir Griechen nicht stolz auf unsere eigene Haushaltspolitik.» Gravierende Veränderungen seien nötig. «Es muss aber vordringlich der griechische Souverän sein, der die neue Richtung bestimmt.»

EU / Finanzen / Griechenland
03.03.2010 · 23:01 Uhr
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