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Griechen in Deutschland: Wut, Scham und Frust

Griechen in FrankfurtGroßansicht

Frankfurt/Main/Köln (dpa) - Evlampios Betakis' Wut ist unüberhörbar. Er schimpft auf die griechische Politik, den Spott von Bekannten und die Berichte aus der Heimat. «Irgendwo zwischen Frust, Beschämung und Aggression», beschreibt der Vorsitzende der Griechischen Gemeinde in Frankfurt seine Stimmung.

Vor allem die bissigen Kommentare zur griechischen Schuldenkrise schmerzten. Selbst Freunde und Bekannte fragten ihn im Spaß: «Soll ich dir nicht lieber gleich 100 Euro in bar geben?».

Viele Griechen in Deutschland leiden darunter, dass sie sich derzeit immer wieder für den drohenden Staatsbankrott Griechenlands rechtfertigen müssen. Das Schuldendebakel soll mit Milliardenhilfen der Europäischen Union abgewendet werden. Damit flösse auch deutsches Geld nach Südosteuropa.

Babis Kalaitzidis vom Imbiss «Gyros Land» im Kölner Stadtteil Ehrenfeld kennt die Sorgen der Deutschen. «Sie haben Angst, weil sie denken, dass die griechischen Schulden vom deutschen Steuerzahler bezahlt werden.»

Hinzu kommt bei etlichen Deutsch-Griechen die Sorge um die griechische Heimat. Mancher verfällt darüber selbst in bitteren Sarkasmus. Etwa der Mann, der seit 21 Jahren in Deutschland lebt und mittags in sein Stammlokal «Parthenon» in der Frankfurter Innenstadt kommt: «Ich wollte eigentlich nach Griechenland und gucken, ob ich die Akropolis kaufe.»

«Mir als Griechen tun die Nachrichten weh. Man könnte anders darüber schreiben, andere Worte wählen», sagt Asterios Kokkinoplitis, Besitzer des Restaurants. Besonders schmerze ihn das Bild, das derzeit von den Griechen gezeichnet werde. «Griechen sind nicht faul. Das sind fleißige und korrekte Leute.»

Schuld an der Staatskrise seien die korrupten Politiker, darin sind sich Kokkinoplitis und sein Kellner Georgios Adamopoulos einig. «Das sind alles Gauner und Betrüger ohne Gewissen - sie zahlen keine Steuern», sagt Adamopoulos. Er sei ja bereit, dem eigenen Land zu helfen, doch wisse er nicht, wohin das Geld letztlich gehe.

In Köln sorgt sich Imbiss-Mitarbeiter Kalaitzidis unterdessen um seine Verwandtschaft in dem EU-Staat. «Die Leute in Griechenland haben richtig große Schwierigkeiten, sie haben Schulden», sagt er. Manche verkauften sogar ihre goldenen Eheringe, um an Geld kommen.

Die Griechen akzeptierten zwar die Einschnitte, vielen werde es aber nach und nach deutlich schlechter gehen, befürchtet der Frankfurter Gemeinde-Vorsitzende Betakis. «Wenn die Leute nicht viel haben, geben sie auch nichts mehr aus.» Damit gerieten auch die kleinen Unternehmen in Gefahr. Die EU dürfe nicht nur Kredite geben, sondern müsse auch investieren.

Die Griechen müssten schnell wieder auf eigenen Beinen stehen, heißt es oft. Wie die Lösung für das Problem aussehen soll, weiß niemand so recht. Restaurant-Chef Kokkinopolitis meint ironisch, Athen solle doch einfach einige der rund 3000 Inseln verkaufen. Dann fügt er ernst hinzu, dass sich das politische System grundlegend ändern müsse, damit das Land dauerhaft aus der Krise komme.

«Wir sind alle schuld, die Politiker wurden ja von uns gewählt», sagt er nachdenklich. Er hofft, dass in Griechenland jetzt alle an einem Strang ziehen, nachdem das Parlament in Athen Ministerpräsident Giorgos Papandreou das Vertrauen ausgesprochen hat. «Wir müssen jetzt das Land stabilisieren und in Ordnung bringen, dann können wir streiten, wer der Beste ist.»

Viele Griechen wollten aber nicht solange warten und gingen entweder in ihr Heimatdorf zurück oder ins Ausland. In Frankfurt leben derzeit 6000 Griechen - damit sind sie nach Behördenangaben die sechstgrößte Gruppe ohne deutschen Pass in der Stadt. Und es könnten mehr werden, weiß Betakis. «Jeden Tag bekomme ich eine Mail von vor allem jungen Leuten, die kommen wollen.»

Finanzen / Griechenland
23.06.2011 · 22:15 Uhr
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