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Grass: Bei israelischem Erstschlag droht Dritter Weltkrieg

Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass auf dem Weg in sein Atelier in Behlendorf. Foto: Marcus BrandtGroßansicht

Behlendorf (dpa) - Günter Grass hat seine Kritik an Israels Atomwaffenarsenal bekräftigt und vor den Gefahren eines militärischen Erstschlags gegen Iran gewarnt.

«Sollte Israel - vermutlich mit sogenannten normalen, konventionellen Bomben und Sprengköpfen - Irans Atomanlagen angreifen, könnte das zum Dritten Weltkrieg führen», sagte der Literaturnobelpreisträger in seinem Wohnort Behlendorf bei Lübeck in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Dabei verteidigte er ausdrücklich sein umstrittenes Israel-Gedicht «Was gesagt werden muss» und warf einem Teil seiner Kritiker Hass vor.

Der 84-jährige Schriftsteller verwies auf die explosive Lage im Nahen Osten, die sich bei einem Präventivschlag Israels zu einem Flächenbrand ausweiten könne. Präventivschläge seien nicht vertretbar. Dies habe sich beim letzten Irakkrieg gezeigt, bei dem unter dem nachweislich falschen Vorwurf, Saddam Hussein besitze Massenvernichtungswaffen, der Krieg begonnen worden sei. Bei Iran sei bisher eine Atombombe oder ein weitreichendes Raketenträgersystem nicht nachgewiesen worden. Mit seinem politischen Gedicht habe er dazu aufrufen wollen, dass sowohl Israel als auch Iran ihre Atomanlagen internationaler Kontrolle unterwerfen, sagte Grass.

Als Fehler bezeichnete es der Autor, dass in seinem Gedicht von Israel und nicht konkret von Israels Regierung die Rede sei. Er hege große Sympathien für das Land und wünsche, dass es auch in Zukunft Bestand habe. Er selber würde eine Föderation zwischen palästinensischen Gebieten und Israel als politische Vision bevorzugen, aber dies sei zur heutigen Zeit nicht vorstellbar.

Einem Teil der deutschen Presse, insbesondere dem Springer-Konzern, warf er Hass und ein gleichgeschaltetes Verhalten vor. Es handle sich um eine Fortsetzung jener persönlichen Anfeindungen, die er bereits 2006 nach dem Erscheinen seines autobiografischen Buches «Beim Häuten der Zwiebel» erfahren habe. Das inhaltliche Anliegen seines Israel-Gedichts werde gar nicht aufgegriffen, dafür würden aber Bezüge hergestellt, die nichts mit dem Gedicht zu tun hätten - etwa dass er gegen seinen Willen als 17-jähriger in die Waffen-SS gekommen sei.

Massive Kritik übte Grass daran, dass Deutschland trotz seiner jüngsten Vergangenheit inzwischen zum drittgrößten Waffenexporteur der Welt geworden sei. «Dies ist eine Schande», sagte Grass. Ebenso die Tatsache, dass Deutschland Israel ein sechstes U-Boot liefern wolle, das Mittelstreckenraketen mit atomaren Sprengköpfen abfeuern könne, sagte Grass.

Dem Vorwurf von Kritikern, er habe einseitig nur Israels Atomwaffen benannt, begegnete Grass offensiv. Ihm sei es darum gegangen, dieses weitgehend tabuisierte Thema in die Öffentlichkeit zu bringen. Das, was an Israel ohnehin schon öffentlich kritisiert werde - seine Siedlungspolitik und sein Verhalten als Besatzungsmacht -, habe er bewusst ausgespart.

Literatur / Israel / Iran
06.04.2012 · 20:54 Uhr
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