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Graben zwischen SPD und Grünen wird tiefer

Sinkt der Grünen-Stern? - Grünen-Chefin Claudia Roth wirft der SPD vor, Bündnisse mit der CDU anzustreben.Großansicht

Berlin (dpa) - Der Abwärtstrend der Grünen setzt sich fort. Nach dem Scheitern der Koalitionsverhandlungen mit der SPD in Berlin ist die Partei in Umfragen bundesweit auf 16 Prozent gesunken.

Das ist der schlechteste Wert seit März. Der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) warnte seine Partei davor, sich im Bund auf Rot-Grün festzulegen. Grünen-Chefin Claudia Roth warf den Sozialdemokraten im Gegenzug vor, Bündnisse mit der CDU anzustreben.

Im jüngsten Sonntagstrend von Emnid im Auftrag der «Bild am Sonntag» kommen die Grünen ebenso wie im aktuellen ZDF-Politbarometer nur noch auf 16 Prozent. Damit hat die Partei laut Emnid seit der Vorwoche erneut einen Prozentpunkt verloren, seit Mai sogar sieben Prozentpunkte. Einen schlechteren Wert hatte sie zuletzt Anfang März kurz vor der Atomkatastrophe von Fukushima.

Die FDP kommt Emnid zufolge jetzt auf 4 Prozent (plus 1). Unverändert bleiben die Piratenpartei (9 Prozent), die Union (32 Prozent), SPD (28 Prozent) und Linkspartei (7 Prozent).

Scholz wandte sich im «Spiegel» gegen vorschnelle Bündniszusagen. «Wir wissen, dass Zwangsgemeinschaften hysterische Folgen haben», sagte er. «Es gibt kein rot-grünes Lager.» Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises der SPD, Garrelt Duin, verlangte: «Im nächsten Wahlkampf muss Rot pur wahrnehmbar sein.»

Grünen-Chefin Roth warf der SPD vor, allein auf die Macht zu schielen. «Bei der SPD scheint sich die Sehnsucht nach einer Koalition mit der Union zu vergrößern, nach dem münteferingschen Motto: Hauptsache, wir regieren, und Opposition ist Mist», sagte Roth dem Magazin. Die gescheiterte Berliner Spitzenkandidatin Renate Künast sagte, sie nehme zur Kenntnis, «dass die SPD sich alles offenhält».

Kritik übten die Grünen auch an der Piratenpartei. Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck nannte es in einem dpa-Gespräch «geradezu naiv», wenn der Bundesvorsitzende Sebastian Nerz die frühere NPD-Mitgliedschaft von Parteifreunden als «Jugendsünde» abtue. Zuletzt waren Fälle aus zwei Landesverbänden bekanntgeworden. Nerz sagte am Samstag im SWR: «Es wird sicherlich noch ein paar Piraten geben, die früher bei der NPD waren.» Jeder Einzelfall müsse geprüft werden.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) geht nicht davon aus, dass die Piratenpartei den Grünen derzeit gefährlich werden kann. «Die Piraten sehe ich als männlich-dominierte Protestpartei von internet-affinen Menschen», sagte er dem «Focus». «Dass daraus wirklich eine Idee wird, die trägt, sehe ich noch nicht.»

Parteien / SPD / Grüne
16.10.2011 · 14:17 Uhr
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