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Gouverneur von Kundus stirbt bei Anschlag

Die ISAF schätzt die Zahl der Taliban auf 25 000 bis 36 000 Kämpfer.Großansicht

Kabul/Berlin (dpa) - Die Sicherheitslage im nordafghanischen Einsatzgebiet der Bundeswehr spitzt sich weiter zu: Einen Tag nach dem schweren Selbstmordattentat auf eine deutsche Patrouille in Baghlan wurde der Gouverneur der Unruheprovinz Kundus bei einem Bombenanschlag auf eine Moschee getötet.

Mit ihm wurden mindestens elf weitere Menschen in den Tod gerissen.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) warnte angesichts der kritischen Lage vor zu ehrgeizigen Zielen am Hindukusch. «Es kann nicht darum gehen, Luftschlössern hinterherzueilen und Illusionen zu bedienen», sagte er in Berlin. «Die Ziele müssen erreichbar sein.»

Bei einem Selbstmordanschlag in der Unruheprovinz Baghlan war am Donnerstag ein 26-jähriger Fallschirmjäger aus dem niedersächsischen Seedorf getötet worden. 14 deutsche Soldaten wurden verletzt, von denen aber keiner in Lebensgefahr war.

Der Gouverneur von Kundus, Mohammad Omar, fiel beim Freitagsgebet in einer Moschee der Provinz Tachar einem Anschlag zum Opfer. In der Vergangenheit hatte er mehrere Attentate überlebt. So war im Juli neben der Fahrzeugkolonne des Regionalpolitikers eine Bombe explodiert. Unter den Toten in der Moschee in Tachar soll auch der Imam gewesen sein.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) kondolierte seinem afghanischen Amtskollegen Zalmay Rassoul. «Ein Anschlag gegen den Repräsentanten des afghanischen Staats in der Provinz Kundus ist ein Angriff auf das, was wir dort gemeinsam schützen und aufbauen: ein souveränes, stabiles, sicheres Afghanistan», schrieb er. Deutschland werde «unbeirrt von brutalen Gewalttaten seinen Weg zu Ausgleich und Versöhnung» fortsetzen. Guttenberg sagte Spiegel Online: «Das ist ein abscheulicher Anschlag, der mit höchstem Nachdruck zu verurteilen ist.»    

Der internationale Afghanistan-Einsatz war am Donnerstag ins zehnte Jahr gegangen. Die von den Taliban angegriffene Patrouille der Bundeswehr gehörte zum «Ausbildungs- und Schutzbataillon», das seit Anfang August für die Ausbildung der afghanischen Armee in der Fläche und damit für die Umsetzung der zu Jahresanfang beschlossenen neuen Afghanistan-Strategie zuständig ist. Der Trupp sollte eine Panzerbrücke über den Baghlan-Fluss sichern.

Der Selbstmordattentäter kam aus einer Gruppe von Bauern, die auf einem benachbarten Feld arbeiteten. Er näherte sich den Soldaten und zündete eine mit Stahlkugeln gefüllte Sprengweste. Nach dem Anschlag wurde die Patrouille mit Handwaffen und Mörsern angegriffen. Auch ein vier Kilometer entfernter Kontrollposten wurde attackiert.

Die Bundeswehr forderte Luftunterstützung an, eine Mörserstellung der Taliban wurde bombardiert. «Nach jetzigem Stand hat es keine zivilen Opfer gegeben», sagte der Befehlshaber der Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalleutnant Rainer Glatz. Die Gefechte dauerten knapp sieben Stunden bis zur Dämmerung. Die meisten der 14 Verletzten wurden nur leicht verwundet.

Guttenberg sprach von einem «furchtbaren» und «hinterlistigen» Anschlag. «Der Einsatz in Afghanistan ist und bleibt höchst gefährlich», sagte er. Die Erwartungen an den Einsatz hat Guttenberg inzwischen deutlich heruntergeschraubt. Ziel sei es, «ein erträgliches Maß an Sicherheit» in Afghanistan zu erreichen, damit die Gefährdung der internationalen Sicherheit möglichst gering gehalten werden könne. Zudem müsse man sich «ein erreichbares Maß an Entwicklung» vornehmen.

Es sei wichtig, bereits im nächsten Jahr mit der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen zu beginnen, betonte der Minister. Es müsse ein Prozess in Gang gebracht werden, «der dann auch eine entsprechende Abzugsperspektive für unsere Soldatinnen und Soldaten nach sich ziehen kann». Bis 2014 sollen die Afghanen wieder im ganzen Land eigenverantwortlich für Sicherheit sorgen.

An diesem Samstag wird eine Trauerfeier in Kundus für den getöteten Fallschirmjäger stattfinden. Anschließend soll der Leichnam über Usbekistan nach Deutschland überführt werden. Ob die Bundeswehr auch in Deutschland einen zentralen Gottesdienst abhalten wird, ist noch offen.

Internationale Schutztruppe ISAF

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Konflikte / Afghanistan
08.10.2010 · 18:03 Uhr
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