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Gotthard-Durchstich soll Schweiz entlasten

Gotthard-BasistunnelGroßansicht

Bern (dpa) - Die Schweiz hat die EU-Verkehrsminister erst davon überzeugen müssen, dass der Schwerverkehr weitgehend auf die Schiene verlagert werden muss. Daran hat der frühere schweizer Verkehrsminister Adolf Ogi erheblichen Anteil, wie er sich vor dem Durchstich des Gotthard-Basistunnels erinnerte.

Ende November 1998 waren jedenfalls 63,5 Prozent der abgegebenen Stimmen bei einer Volksabstimmung für das Tunnelprojekt durch die Alpen. Und die EU akzeptierte schließlich in bilateralen Verträgen die Position der Schweiz.

Der neue Eisenbahn-Tunnel soll den Großteil des Güterverkehrs durch die Schweiz umweltschonend aufnehmen. Das mussten die EU- Verkehrsminister erst einmal begreifen, sagte Ogi im Schweizer Rundfunk. Er habe in stundenlangen Diskussionen bewiesen, dass es in der engen Schweiz keinen Platz mehr für neue Autobahnen gab.

Die Schweizer haben mehrmals dafür gestimmt, dass die Güter auf der Schiene und nicht auf der Straße durch die Alpen transportiert werden. Sie haben damit auch für Europa gestimmt, obwohl sie gar nicht Mitglied der EU sind. Ihre Tunnel sind Teil des europäischen Netzwerkes für den Güterverkehr. Das lassen sich die Eidgenossen insgesamt mehr als 15 Milliarden Euro kosten - gut angelegtes Geld wohl, denn die EU-Kommission erwartet für den gesamten Alpenraum einen weiteren Anstieg des Güterverkehrs um rund 75 Prozent.

Auf der Gotthard-Achse fahren täglich zwischen 110 und 130 Güterzüge. Nach der Fertigstellung wird sich der Schienenverkehr auf 200 bis 220 Züge erhöhen, so die Prognose. Dies entspricht einer Transportkapazität von rund 40 Millionen Tonnen pro Jahr. Sie wäre damit etwa doppelt so hoch wie bisher.

Sorge bereitet nun ausgerechnet der Ausbau der Strecken in Deutschland. Nadelöhr sind die Gleise zwischen Karlsruhe und Basel. Die 182 Kilometer lange Bahnstrecke ist die Strecke, auf denen die Güterzüge aus dem Norden hereinkommen. In einem Staatsvertrag wurde 1996 vereinbart, dass Deutschland diese Zufahrtsstrecke rechtzeitig ausbaut.

Von den insgesamt 182 Kilometern sind knapp 44 Kilometer bereits in Betrieb und etwas mehr als 20 Kilometer in Bau. Stillstand herrscht auf der restlichen Strecke: 172 000 Einsprachen gegen den Ausbau von zwei auf vier Spuren blockieren die Arbeiten. Und so drohten kürzlich Schweizer Parlamentarier in Berlin, bis die Bahnstrecke fertig seit, müsse Deutschland damit rechnen, dass seine Lastwagen an der Basler Grenze auf die neue Schienenstrecke verladen würden. Das werde erhebliche Mehrkosten und längere Wartezeiten für die Lastwagen zur Folge haben.

Verkehr / Schweiz
15.10.2010 · 21:00 Uhr
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